[Fußnote 125: Mordja heisst Sumpf]

Zahllose Wasservögel, Enten, Pelicane, Ibisse und andere halten sich hier auf, und im Sommer kommen Hyänen, Schakale und Wildschweine aus dem Korkeichenwald, um im feuchten Sumpfe zu jagen. Die ganze Nehrung selbst ist bewohnt von Arabern. Meistens haben sie ihre Zelte auf der Landseite und zwar nie kreisförmig, sondern, als ob sie gewissermassen der langen Form der Nehrung sich anpassen wollten, immer in einer langen Reihe aufgeschlagen. Die Dünen sind zum Theil gut bewachsen, meist mit Lentisken, aber auch Grasfutter für Rind- und Schafheerden ist reichlich vorhanden.

Gewöhnlich legt man den Weg bis Mehdia längs des Wassers in zwei Tagemärschen zurück, der grossen Hitze wegen, und weil wir uns häufig damit aufhielten, im Ocean zu baden, brauchten wir vier Tage. Ueberall fanden wir übrigens ausgezeichnete Gastfreundschaft, und die herrlichen Wassermelonen, welche die Nehrung hervorbringt, haben mir nirgends besser gemundet als hier. Zwei hübsche Grabstätten sind unmittelbar am Meeresstrande erbaut: Mulei Bu Slemm[126], eine Tagereise südlich von L'Araisch, aus mehreren Domen bestehend, dann Mulei Hammed bel Cheir, gleich vis-à-vis von Mehdia auf einer kleinen Anhöhe. Gegen 3 Uhr Nachmittags am vierten Tage erreichten wir Mehdia, am linken Ufer des Sebu gelegen.

[Fußnote 126: Die meisten Geographen halten Mulei Bu Slemm für das alte Mamora, Mamora antica, und doch glaube ich kaum, dass jemals bei Bu Slemm dieser Ort gestanden hat.]

Um überzusetzen mussten wir aber erst eine ziemlich weite Strecke ca. ein K.-M. stromaufwärts gehen, wo sich die Fähre befand, sodann kehrten wir auf das linke Ufer zurück und erklommen den Pfad, der auf den steilen 417 Fuss (nach Barth) hohen felsigen Hügel führt, auf dem Mehdia liegt. In einem sehr schlechten Funduk fanden wir Unterkommen. Mehdia ist ein kleines elendes Dorf, von vielleicht zweihundert Einwohnern, wegen seiner beherrschenden Lage war es einst wichtig und könnte am schiffbaren Sebu, dem Flusse, an dem Fes liegt, leicht wieder zu einer blühenden Stadt gemacht werden. Die Mündung des Sebu ist jedoch nicht breiter als vielleicht 1000 Schritt, aber sehr tief unmittelbar unterhalb der Stadt. Der Sebu ergiesst sich aber nicht in gerader Linie in den Ocean, sondern, schief nach Norden geneigt. Eine starke Barre sperrt den Fluss ab.

Als ich von Aussen den Ort besichtigte, fand ich unterhalb desselben ein Labyrinth von Mauern, 4 Fuss dick und 20 Fuss hoch aus massiven Steinen aufgeführt; ein Netz von viereckig gemauerten Räumen darstellend. Die darüber befragten Bewohner wussten keine Auskunft zu geben, aber in Leo finden wir vollkommenen Aufschluss darüber:

Von Jacob el Mansor, der von 1184 bis 1199 regierte, erbaut, als Vertheidigungsfeste des Eingangs des Sebu, wurde Mehdia später zerstört und im Jahre 1515 schickte Don Manuel von Portugal eine Flotte dahin ab, um dort eine Festung anzulegen. Kaum im Bau begriffen, kam aber der zu der Zeit in Fes regierende Sultan Mohammed ben Oatas mit einem Heere und überfiel Soldaten und Arbeiter. Leo, der als Augenzeuge diesem Ueberfalle beiwohnte, giebt davon eine ergreifende Schilderung. Die Portugiesen wurden alle getödtet, die Schiffe verbrannt. Von 6-7000 Mann Besatzung, durch Verrath zur Streckung der Waffen bewogen, wurden die Meisten niedergemacht. Aus der Mündung des Sebu soll der König von Fes hernach 400 Kanonen herausgefischt haben.

Später, am 6. August 1614, nahmen die Spanier noch einmal Mamora (wie die Europäer und auch Leo Mehdia nannten), errichteten ein Fort, welches aber am 2?. April 1681 [? unlesbar in der gedruckten Ausgabe] von Mulei Ismail überfallen und zerstört wurde. Seit der Zeit ist Mehdia, was es jetzt ist, ein elendes Dorf.

Was nun die eben erwähnten Constructionen anbetrifft, so sagt Leo[127] davon: "Die Portugiesen fingen gleich nach ihrer Ankunft den Bau an; alle Fundamente waren schon gelegt, mit den Mauern und Bastionen war ein Anfang gemacht etc." Einen solchen unfertigen, nicht aber zerstörten Eindruck machen denn auch die Bauten bei Mehdia. Was Mamora antica anbetrifft, so dürfte dasselbe am anderen Ufer des Sebu zu suchen sein, oder vielleicht der Hügel der Stadt, der ebenfalls befestigt war, "Alt- Mamora", die am Strande von den Portugiesen errichteten Bauten dagegen "Neu-Marmora" gewesen sein. Aber in dem entfernten Mulei Bu Slemm Alt- Mamora suchen zu wollen ist vollkommen unstatthaft, weil "Mamora" immer einen felsigen Hügel bedeutet in Tamasirht-Sprache, ein solcher aber bei Bu Slemm nicht vorhanden ist.

[Fußnote 127: Uebersetzung von Lorsbach, p. 185.]