[139] Kaiserin.

[140] Im Grabgewölbe, welches früher die kostbaren Handschriften barg, entdeckte ich zwei Metallsärge, welche Gebeine der Kaiser enthalten sollten. Auch befand sich darin ein schöner, reich mit Elfenbein und Perlmutter ausgelegter Stuhl oder Thron eines Atse.

[141] Flad hat ein anziehendes Büchlein veröffentlicht: „Kurze Schilderung der bisher fast unbekannten abessinischen Juden (Falascha).“ (Kornthal bei Stuttgart 1869.) Stern publicirte: „Wanderings among the Falaschas.“

[142] Es ist bezeichnend, dass alle monotheistischen Religionen eine sogenannte heilige, nur von der Priesterschaft verstandene Sprache haben: die Abessinier ihr Gees oder Gheez, heute eine todte, selbst den meisten Priestern unverständliche, rein mechanisch von ihnen erlernte und von Mosaisten und Christen angewandte Sprache. Sagt man: „Aber du verstehst ja gar nicht, was du betest“, so wird beständig geantwortet: „Das ist auch nicht nöthig, der liebe Gott hört es und versteht es.“ Die Mohammedaner bedienen sich des Arabischen, aber mindestens zwei Drittel der Muselmanen verstehen nicht Arabisch. Für die Juden gilt das Hebräische als heilige Sprache, aber wer von englischen, französischen, deutschen u.s.w. Laien-Juden versteht heute Hebräisch? Die Christen hatten und haben zum Theil noch die lateinische Sprache, bis Luther den Bann brach und allen Völkern ihre Muttersprache für die Anbetung Gottes empfahl.

[143] Meine ursprüngliche, von Ras Alula mir beigegebene Escorte hatte ich als Leibwache beibehalten, die übrige Soldateska unter ihrem Oberst stand mit mir in gar keinem nähern Verhältniss.

[144] Diese Kleidungsstücke sind jetzt im berliner Ethnographischen Museum.

[145] Die Abessinier selbst theilen hinsichtlich der Bodengestaltung ihr Land in drei Regionen: 1) Tiefland, Kolla genannt, womit sie die Gegenden bezeichnen, welche unter 1500 m liegen. 2) Deka-Woina, zwischen 1500 bis 3000 m hoch. 3) Deka schlechtweg, über 3000 m hoch. Natürlich sind diese Grenzen nicht genau gezogen. Am grössten ist die Deka-Woina: im Süden reicht ihre Grenze bis zur Höhe von ca. 4000 m. Auch in Semien steigen auf der südwestlichen und südlichen Seite des Gebirgslandes die bewohnten Striche bis zu 4000 m Höhe. Interessant ist es, dass der Name Woina, abgeleitet vom griechischen οἶνος, Wein, zur Bezeichnung der untern Deka, d.h. der mittlern Region diente. Denn gerade auf dieser Deka war in früherer Zeit der Weinbau so ausgedehnt, dass er der ganzen Gegend den Namen Deka Woina: Weinhochland, gab. Jetzt stehen nur noch die leeren Weinberge da. In und um Gondar kann man deutlich an der Veranlagung erkennen, dass man den Wein ähnlich wie bei uns am Rhein anbaute. Aus dem Worte οἶνος, Woina, darf man wol folgern, dass die Griechen den Wein vielleicht von Adulis über Aksum nach Abessinien einführten.

[146] Beim Abschied bat er mich, ich möge ihm einen indischen Helm besorgen, der meinige, den ich dem Negus anbot, convenirte ihm nicht.

[147] Herr Professor Dillmann in Berlin hatte die Güte, mir diesen Brief zu übersetzen. Der Ausdruck: „gehen, Völker zu vertilgen“ ist echt biblisch. Gott selbst hat sich durch Moses’ Vermittelung oft dieser Formel bedient. Was das Datum anbetrifft, so bemerke ich, dass der Monat Jekatit etwa unserm Februar entspricht. Das abessinische Neujahr beginnt am 10. September. Im ganzen sind die Abessinier in der christlichen Zeitrechnung um 7 Jahre und 112 Tage zurück. Bei Christi Geburt zählten sie seit Erschaffung der Welt 5499 Jahre. Ihre zwölf Monate heissen: Maskarem, Tekimt, Hedar, Tachsas, Ter, Jekatit, Magabit, Mijazia, Ginbot, Senie, Hamlieh und Nehasie, und da jeder Monat dreissig Tage hat, bleibt ihnen stets ein dreizehnter Schaltmonat, Pagumiehne, der dreimal hintereinander 5 und das vierte mal 6 Schalttage enthält.

[148] Aksum ist jedenfalls die richtigere Schreibweise und dem Axum, wie die Italiener, oder dem Axoum, wie die Franzosen es schreiben, vorzuziehen. Denn in der äthiopischen Sprache gibt es kein X. d’Abbadie schreibt übrigens auch Akzoum.