[149] Viele werden dies als Heuchelei auslegen, aber es geschah aus der auf meinen Reisen gewonnenen Erfahrung, dass man am besten reist, wenn man sich den Sitten und Gebräuchen der Völker, unter denen man sich befindet, so viel wie möglich anschmiegt. Und wenn man in einer europäischen Kirche von jedem, auch dem Nichtgläubigen, erwartet, dass er beim Betreten des Gotteshauses sein Haupt entblösst, so wird man auch nichts darin finden können, in Abessinien einen Gebrauch mitzumachen, den man bei uns als überflüssig betrachtet. Dabei will ich keineswegs Bruce vertheidigen, der so weit ging, sich von der abessinischen Geistlichkeit den Segen ertheilen zu lassen, hernach aber sich über sie lustig macht. Am Ende des 7. Buches sagt er:

Unterdessen hatten sich zwanzig dicke Mönche auf meinem Wege angestellt, um mir ihren Segen zu geben, wie Teusa Christos. (Diesen hatte er um seinen Segen und seine Fürbitte gebeten.) Ich hatte wenig Glauben zu ihren Gebeten, und es lag mir nichts daran, die Hände und fettigen Aermel dieser Unwissenden zu küssen. Dennoch unterzog ich mich dieser unangenehmen Ceremonie, gab ihnen aber auch auf englisch meinen Segen: „Möge Gott euch allen einen Strick zukommen lassen, wie er dem Abba Salama einen schickte.“ Ich spielte auf den vor kurzem gehängten Accab Saat an, aber sie glaubten, ich empfehle sie dem Patriarchen Abba Salama, und antworteten mit einem salbungsvollen: „Amen!“

[150] Gobat in seinem „Journal d’un séjour en Abyssinie“ (Paris) sagt S. 322: Salomo, welcher mit der Königin von Saba einen Sohn Namens Menelek zeugte, welcher ihm so ähnlich war, dass die Bewohner Jerusalems ihn mit ihm verwechselten, schickte ihn aus Eifersucht fort, ihm anempfehlend, vom Königreich Abessinien Besitz zu ergreifen. Bei seiner Abreise von Jerusalem nahm Menelek die Bundeslade mit, sowie eine grosse Zahl von Juden; unterwegs aber setzte er sowie ein Theil seines Gefolges am Sabbattag über einen Fluss, und seitdem war er Christ, sowie die, welche mit ihm den Fluss passirt hatten. (Die Abessinier waren also nach dieser Sage schon zu Salomo’s Zeit Christen, Christen vor Christi Geburt!) Die Falascha sind die Abkömmlinge von denen, welche dem Gesetz Moses treu blieben und den Fluss am Sabbat nicht überschreiten wollten. Die Bundeslade ist seitdem in Aksum, aber für die Christen unzugänglich; nur die Falascha können herankommen. Wenn ein gelehrter und frommer Falascha sich dem Orte nähert, wo die Bundeslade ist, theilen sich die Mauern und gestatten die Anbetung etc. etc.

[151] Herr Abarguez de Sosten, welcher im Auftrag der Madrider Geographischen Gesellschaft reiste und zugleich Geschenke vom König von Spanien dem Negus Negesti überbringen sollte, versuchte zuerst landwärts nach Abessinien zu kommen, kam jedoch nur bis Siut. Um aber eine solche Mission auszuführen, denn sein Plan ging von Abessinien aus nach dem Süden, bedurfte es eines grössern Glanzes. Der ärmliche Aufzug erweckte beim Negus Negesti den Verdacht, dass die Geschenke gar nicht vom König von Spanien seien, und daraufhin musste denn Abarguez, nach kurzem Aufenthalt beim Kaiser von Abessinien, nach Aegypten zurückkehren. Nähere Details hierüber, welche mir Dr. Stecker später brieflich aus Abessinien mittheilte, eignen sich nicht für die Veröffentlichung.

[152] Dabamatta, d.h. Haus von Abba-Matta, ist zusammengezogen aus Edda-Abba-Matta.

[153] Es gibt viele Bäder oder Thermen in Abessinien. So wird seit mehr als hundert Jahren das zwischen Debra Tabor und der Stadt Korata am Tana-See gelegene Bad Madera-Mariam als sehr heilkräftig benutzt, und noch zur Zeit, als Oberst Gordon in Abessinien war, besuchte es der jetzige Kaiser. Combes und Tamisier beschreiben den Ort, ohne über die Natur des Wassers Aufklärung zu geben. Auch Dr. Stecker, welcher 1881 über Madera-Mariam kam, erwähnt nichts von der Beschaffenheit des Wassers, doch sind auf seiner Karte des Tana-Sees (Bd. III, Heft I der Mittheilungen der Afrikanischen Gesellschaft) „heisse Quellen“ verzeichnet.

[154] Jene natürliche zu einer Kirche eingerichtete Tropfsteinhöhle, von der eben die Rede war.

[155] Der Hauptsache nach stimmt die Erzählung des jungen Schimper mit der seines Vaters, des Dr. Schimper, in der „Zeitschrift für Erdkunde“, Jahrg. 1872, S. 365. – Der alte Schimper hatte eine sehr lebhafte Phantasie. Diese seine Tochter war nicht mit einem Missionar vorher verheirathet gewesen. Auch hatte er selbst nicht von seiner 65jährigen Frau (Jahrg. 1872, S. 270), sondern von einem jungen Mädchen, seiner zweiten Frau, einen Sohn bekommen. Ich folge daher lieber den Ausführungen Schimper’s des Jüngern.

[156] Rüppel, II, 185 fg.

[157] „Wahrhaftiger Bericht“ u.s.w. F. Alvarez, 1566 insignia Joachimi Helleri Leucopetraei.