Frau Buchner: Mit Künstlern muß man umzugehen wissen. Ich hab’s gelernt, — mein seliger Mann war auch einer.
Frau Scholz: Und — die — Geschichte mit — Vater? — hat er Euch auch in — diese Geschichte eingeweiht?
Frau Buchner: N—ein liebe Freundin. — Siehst Du, das ist der allereinzigste Punkt, das ist . . . . In diesem Punkt hat er sich noch nicht überwinden können. Es läge ja nichts daran, aber Du kannst mir glauben, er leidet an der Erinnerung furchtbar. Bis auf den heutigen Tag leidet er. Nicht am wenigsten freilich dadurch, daß er die Sache geheim hält. Jedenfalls muß er darüber hinweg kommen, auch über diese Sache.
Frau Scholz: I’ Gott bewahre — nee, nee, nee, Alles was recht is. Ehre Vater und Mutter: die Hand, die sich gegen den eigenen Vater erhebt . . . . aus dem Grabe wachsen solche Hände. Wir haben uns gezankt, ja doch! wir haben beide Fehler mei Mann und ich; aber das sind unsre Sachen. Kein Mensch hat sich da ’neinzumischen, am wenigsten der eigne Sohn. — Und wer hat die Sache ausbaden müssen? natürlich ich. So ’ne alte Frau die hat ’n breiten Puckel. Mei Mann ging aus dem Hause, noch am selbigen Tage, und eine halbe Stunde später auch Wilhelm. Da half kein reden. Erst dachte ich, sie würden wiederkommen, aber wer nicht kam, das waren sie. Und Wilhelm allein, kein andrer Mensch is Schuld d’ran, kein andrer Mensch.
Frau Buchner: Wilhelm mag eine schwere Schuld haben, davon bin ich überzeugt, aber sieh mal, wenn man Jahre lang gebüßt hat und — — —
Frau Scholz: Ne, ne! i Gott! wo denkst Du hin?! darüber kann man nich so leicht hinweggehen. Das wäre noch schöner! es ist ja sehr schön von Dir, daß Du Dich des Jungen so angenommen hast, — es ist ja auch sehr hübsch, daß er kommt, ja warum denn nicht? Aber im Grunde, was nützt das alles? so leicht sind die Klüfte nicht auszufüllen. — Ja, ja, es sind Klüfte, — richtige — tiefe Klüfte zwischen uns Familiengliedern.
Frau Buchner: Ich glaube doch, daß wir Menschen mit dem festen, ehrlichen Willen . . . .
Frau Scholz: Der Wille, der Wille! geh mer nur damit! das kenn ich besser. Da mag man wollen und wollen und hundertmal wollen, und Alles bleibt doch beim Alten. Ne, ne! das ist ’n ganz andrer Schlag Deine Tochter: die is so, und Wilhelm is so, und beide bleiben, wie sie sind. Viel zu gutte Sorte für Einen von uns, viel, viel zu gutt. — Gott ja der Wille der Wille! — ja ja Alles gutter Wille — Dein Wille ist sehr gutt, aber ob Du damit was erreichen wirst —? ich glaube nicht.
Frau Buchner: Aber ich hoffe es um so fester.
Frau Scholz: Kann ja alles sein. Ich will ja nichts verderben. Im Grunde freue ich mich ja auch von ganzem Herzen auf den Jungen, nur regt es mich sehr, sehr auf und paß auf: Du stellst es Dir viel zu leicht vor.