Die Vorgänge dieser Dichtung spielen sich ab an einem Weihnachtsabend der 80er Jahre in einem einsamen Landhaus auf dem Schützenhügel bei Erkner. (Mark Brandenburg).

Der Schauplatz

aller drei Vorgänge ist eine hohe, geräumige Halle, weiß getüncht, mit alterthümlichen Bildern, wie auch mit Geweihen und Thierköpfen aller Art behangen. Ein Kronleuchter aus Hirschgeweihen in der Mitte der Balkendecke angebracht, ist mit frischen Lichtern besteckt. Mitten in der Hinterwand ein nach innen vorspringendes Gehäuse mit Glasthür durch die man das schwere, geschnitzte Eichenportal des Hauses erblicken kann. Oben auf dem Gehäuse befindet sich ausgestopft ein balzender Auerhahn. Seitlich über dem Gehäuse rechts und links je ein Fenster, befroren und zum Theil mit Schnee verweht.

Die Wand rechts weist einen offenen, thorartigen Bogen auf, der nach der Treppe in die oberen Stockwerke führt. Von zwei niedrigen Thüren derselben Wand führt die eine nach dem Keller, die andere zur Küche. Die gegenüberliegende Wand hat ebenfalls zwei Thüren, welche beide in ein und dasselbe Zimmer führen. Zwischen diesen Thüren eine alte Standuhr, auf deren Dach ein ausgestopfter Kauz hockt. Die Möblirung des Raumes besteht aus alten, schweren Eichenholztischen und Stühlen. Parallel mit der Seitenwand, rechts vom Zuschauer eine weiß gedeckte Tafel. Rechts im Vordergrund ein eisernes Oefchen mit längs der Wand hingehender Rohrleitung. Alle Thüren sind bunt, die Thürfüllungen mit primitiven Malereien, Papageien etc. darstellend versehen.

Erster Vorgang.

Die Halle ist mit grünen Reisern ausgeschmückt. Auf den Steinfliesen liegt ein Christbaum ohne Fuß. Friebe zimmert auf der obersten Kellerstufe einen Fuß zurecht. Einander gegenüberstehend zu beiden Seiten der Tafel beschäftigen sich Frau Buchner und Frau Scholz damit, bunte Wachslichte in den dazu gehörigen Tüllen zu befestigen. Frau Buchner ist eine gesundaussehende, gut genährte, freundlich blickende Person, einfach, solid und sehr adrett gekleidet. Schlichte Haartracht. Ihre Bewegungen sind bestimmt, aber vollständig ungezwungen. Ihr ganzes Wesen drückt eine ungewöhnliche Herzlichkeit aus, die durchaus echt, auch wenn die Art, mit der sie sich kund giebt, zuweilen den Eindruck der Ziererei macht. Ihre Sprache ist geflissentlich rein, in Momenten des Affects deklamatorisch. Ein Hauch der Zufriedenheit und des Wohlbehagens scheint von ihr auszugehen. — Anders Frau Scholz: Sie ist eine über ihre Jahre hinaus gealterte Person mit den beginnenden Gebrechen des Greisenalters. Ihre Körperformen zeigen eine ungesunde Fettansammlung. Ihre Hautfarbe ist weißlichgrau. Ihre Toilette ist weniger als schlicht. Ihr Haar ist grau und nicht zusammengerafft; sie trägt eine Brille. Frau Scholz ist schußrig in ihren Bewegungen, ruhelos, hat eine zumeist weinerliche oder winsliche Sprechweise und erregt den Eindruck andauernder Aufgeregtheit. Während Frau Buchner nur für andere zu existiren scheint, hat Frau Scholz vollauf mit sich selbst zu thun. — Auf der Tafel zwei fünfarmige, mit Lichtern besteckte Girandolen. Weder der Kronleuchter noch die Girandolen sind angesteckt. Brennende Petroleumlampe.

Friebe (führt mit dem Beil einen Schlag): Da jeht mer ooch keen Schlag nich fehl.

Frau Scholz: — ffff!!! Ich kann’s doch aber nich hören, Friebe! wie oft hab’ ich Ihn’n schon . . . wie leicht kann Ih’n das Beil abfahren. Auf Steinen hackt man nich Holz!

Friebe: Da jarantir ick for. Wofor wär ick d’nn sonst zehn Jahre Rejimenter jewesen?