Wilhelm: Da siehst Du nun: dies ist mein wahres Gesicht. Und ich brauche nur einen Augenblick lang zu vergessen, was ich Dir gegenüber für eine Rolle spiele, da kommt es auch schon hervor. Du kannst mein wahres Gesicht nicht ertragen. Du weinst und Du würdest Jahre hindurch weinen, wenn ich nicht Mitleid mit Dir hätte. — Nein, Ida, es darf zwischen uns nichts werden . . . . . ich bin zu dem festen Entschluß gekommen.

Ida (An seinen Hals fliegend): Das ist nicht wahr! — das ist nun und nimmermehr wahr!

Wilhelm: Denk’ an das, was Du hier gesehen hast! sollen wir es von neuem gründen? — sollen wir dieses selbe Haus von neuem gründen?

Ida: Es wird anders werden! es wird besser werden, Wilhelm.

Wilhelm: Wie kannst Du das sagen?

Ida: Das fühle ich.

Wilhelm: Aber Du stürzst Dich blindlings in’s Verderben, Ida! ich reiße Dich in’s Verderben!

Ida: Ich habe keine Furcht, — davor habe ich keine Furcht, Wilhelm! hab’ nur wieder Vertrauen! gieb’ mir nur wieder Deine Hand! Dann werd’ ich Dir etwas sein können — stoß mich nur nicht von Dir . . . . . . . .

Wilhelm: Gieb’ mich frei! — zum ersten Mal liebst Du! — Du liebst eine Illusion. Ich habe mich weggeworfen, wieder und wieder. Ich habe Dein Geschlecht in Andern geschändet. — Ich bin ein Verworfener. —

Ida (jauchzend und weinend ihn umhalsend): Du bist mein! Du bist mein!