Helene. Ja doch! in der Hinsicht ...

Loth. Ich habe nur immer gestaunt. Ich kann Sie versichern, solche Bauernhöfe giebt es nirgendwo anders; da guckt ja der Ueberfluß wirklich aus Thüren und Fenstern.

Helene. Da haben Sie recht. In mehr als einem Stalle hier fressen Kühe und Pferde aus marmornen Krippen und neusilbernen Raufen! Das hat die Kohle gemacht, die unter unseren Feldern gemuthet worden ist, die hat die armen Bauern im Handumdrehen steinreich gemacht. Sie weist auf das Bild an der Hinterwand. Sehen Sie da — mein Großvater war Frachtfuhrmann. Das Gütchen gehörte ihm, aber der geringe Boden ernährte ihn nicht, da mußte er Fuhren machen. — Das dort ist er selbst in der blauen Blouse — man trug damals noch solche blaue Blousen. — Auch mein Vater als junger Mensch ist darin gegangen. — Nein! — so meinte ich es nicht — mit dem „armselig“; nur ist es so öde hier. So ... gar nichts für den Geist giebt es. Zum Sterben langweilig ist es.

Miele und Eduard ab- und zugehend decken den Tisch rechts im Hintergrunde.

Loth. Giebt es denn nicht zuweilen Bälle oder Kränzchen?

Helene. Nicht mal das giebt es. Die Bauern spielen, jagen, trinken ... was sieht man den ganzen Tag? Sie ist vor das Fenster getreten und weist mit der Hand hinaus. Hauptsächlich solche Gestalten.

Loth. Hm! Bergleute.

Helene. Welche gehen zur Grube, welche kommen von der Grube: das hört nicht auf. — Wenigstens ich sehe immer Bergleute. Denken Sie, daß ich alleine auf die Straße mag? Höchstens auf die Felder, durch das Hinterthor. Es ist ein zu rohes Pack! — Und wie sie einen immer anglotzen, so schrecklich finster — als ob man geradezu was verbrochen hätte.

Im Winter, wenn wir so manchmal Schlitten gefahren sind und sie kommen dann in der Dunkelei in großen Trupps über die Berge, im Schneegestöber und sie sollen ausweichen, da gehen sie vor den Pferden her und weichen nicht aus. Da nehmen die Bauern manchmal den Peitschenstiel, anders kommen sie nicht durch. Ach, und dann schimpfen sie hinterher. Hu! ich habe mich manchmal so entsetzlich geängstigt.

Loth. Und nun denken Sie an: gerade um dieser Menschen willen — vor denen Sie sich so sehr fürchten, bin ich hierher gekommen.