Loth. Einem vernünftigen Zweck überhaupt. Es malt die Menschen nicht wie sie sind, sondern wie sie einmal werden sollen. Es wirkt vorbildlich.
Helene mit Ueberzeugung. Das ist schön. Kleine Pause, dann. Vielleicht geben Sie mir Auskunft, man redet so viel von Zola und Ibsen in den Zeitungen: sind das große Dichter?
Loth. Es sind gar keine Dichter, sondern nothwendige Uebel, Fräulein. Ich bin ehrlich durstig und verlange von der Dichtkunst einen klaren, erfrischenden Trunk. — Ich bin nicht krank. Was Zola und Ibsen bieten, ist Medizin.
Helene gleichsam unwillkürlich. Ach, dann wäre es doch vielleicht für mich etwas.
Loth bisher theilweise, jetzt ausschließlich in den Anblick des thauigen Obstgartens vertieft. Es ist prächtig hier. Sehen Sie, wie die Sonne über der Bergkuppe herauskommt. — Viel Aepfel giebt es in Ihrem Garten: eine schöne Ernte.
Helene. Drei Viertel davon wird auch dies Jahr wieder gestohlen werden. Die Armuth hier herum ist zu groß.
Loth. Sie glauben gar nicht, wie sehr ich das Land liebe! Leider wächst mein Weizen zum größten Theile in der Stadt. Aber nun will ich’s mal durchgenießen, das Landleben. Unsereiner hat so ’n bischen Sonne und Frische mehr nöthig als sonst Jemand.
Helene seufzend. Mehr nöthig, als .... inwiefern?
Loth. Weil man in einem harten Kampfe steht, dessen Ende man nicht erleben kann.
Helene. Stehen wir anderen nicht in einem solchen Kampfe?