Loth. Nein.

Helene. Aber — in einem Kampfe — stehen wir doch auch?!

Loth. Natürlicherweise! aber der kann enden.

Helene. Kann — da haben Sie recht! — und wieso kann der nicht endigen — der, den Sie kämpfen, Herr Loth?

Loth. Ihr Kampf, das kann nur ein Kampf sein um persönliches Wohlergehen. Der Einzelne kann dies, so weit menschenmöglich, erreichen. Mein Kampf ist ein Kampf um das Glück aller; sollte ich glücklich sein, so müßten es erst alle anderen Menschen um mich herum sein; ich müßte um mich herum weder Krankheit noch Armuth, weder Knechtschaft noch Gemeinheit sehen. Ich könnte mich so zu sagen nur als letzter an die Tafel setzen.

Helene mit Ueberzeugung. Dann sind Sie ja ein sehr, sehr guter Mensch!

Loth ein wenig betreten. Verdienst ist weiter nicht dabei, Fräulein, ich bin so veranlagt. Ich muß übrigens sagen, daß mir der Kampf im Interesse des Fortschritts doch große Befriedigung gewährt. Eine Art Glück, die ich weit höher anschlage, als die, mit der sich der gemeine Egoist zufrieden giebt.

Helene. Es giebt wohl nur sehr wenige Menschen, die so veranlagt sind. — Es muß ein Glück sein, mit solcher Veranlagung geboren zu sein.

Loth. Geboren wird man wohl auch nicht damit. Man kommt dazu durch die Verkehrtheit unserer Verhältnisse, scheint mir; — nur muß man für das Verkehrte einen Sinn haben: das ist es! Hat man den und leidet man so bewußt unter den verkehrten Verhältnissen, dann wird man mit Nothwendigkeit zu dem, was ich bin.

Helene. Wenn ich Sie nur besser .... welche Verhältnisse nennen Sie zum Beispiel verkehrt?