Helene immer noch weinend. Hätte mein — gutes — M — Muttelchen das geahnt — als sie .... als sie bestimmte — daß ich in Herrnhut — erzogen .... erzogen werden sollte. Hätte sie — mich lieber ... mich lieber zu Hause gelassen, dann hätte ich ... hätte ich wenigstens — nichts Anderes kennen gelernt, wäre in dem Sumpf hier auf.... aufgewachsen —. Aber so ...
Hoffmann hat Helene sanft auf das Sopha gezwungen und sitzt nun, eng an sie gedrängt, neben ihr. Immer auffälliger verräth sich in seinen Tröstungen das sinnliche Element. Lenchen —! Sieh mich an, laß das gut sein, tröste Dich mit mir. — Ich brauch’ Dir von Deiner Schwester nicht zu sprechen. Heiß und mit Innigkeit, indem er sie enger umschlingt. Ja, wäre sie wie Du bist! ... So aber ... sag’ selbst: was kann sie mir sein? — Wo lebt ein Mann, Lenchen, ein gebildeter Mann, — leiser — dessen Frau von einer so unglückseligen Leidenschaft befallen ist? — Man darf es gar nicht laut sagen: eine Frau — und — Branntwein ... Nun, sprich, bin ich glücklicher? .... Denk an mein Fritzchen! — Nun? ... bin ich am Ende besser dran, wie? ... Immer leidenschaftlicher. Siehst Du: so hat’s das Schicksal schließlich noch gut gemeint. Es hat uns zu einander gebracht. — Wir gehören für einander! Wir sind zu Freunden voraus bestimmt, mit unsren gleichen Leiden. Nicht, Lenchen? Er umschlingt sie ganz. Sie läßt es geschehen, aber mit einem Ausdruck, der besagt, daß sie sich zum Dulden zwingt. Sie ist still geworden und scheint mit zitternder Spannung etwas zu erwarten, irgend eine Gewißheit, eine Erfüllung, die unfehlbar herankommt.
Hoffmann zärtlich. Du solltest meinem Vorschlag folgen, solltest dies Haus verlassen, bei uns wohnen. — Das Kindchen, das kommt, braucht eine Mutter. — Komm! sei Du ihm das; — leidenschaftlich gerührt, sentimental — sonst hat es eben keine Mutter. Und dann: — bring ein wenig, nur ein ganz, ganz klein wenig Licht in mein Leben. Thuu’s! — thu — ’s! Er will seinen Kopf an ihre Brust lehnen. Sie springt auf, empört. In ihren Mienen verräth sich Verachtung, Ueberraschung, Ekel, Haß.
Helene. Schwager! Du bist, Du bist ... Jetzt kenn ich Dich durch und durch. Bisher hab ich’s nur so dunkel gefühlt. Jetzt weiß ich’s ganz gewiß.
Hoffmann überrascht, fassungslos. Was ...? Helene ... — einzig, wirklich.
Helene. Jetzt weiß ich ganz gewiß, daß Du nicht um ein Haar besser bist .... was denn! schlechter bist Du, der schlecht’ste von allen hier!
Hoffmann steht auf, mit angenommener Kälte. Dein Betragen heut ist sehr eigenthümlich, weißt Du!
Helene tritt nahe zu ihm. Du gehst doch nur auf das eine Ziel los. Halblaut in sein Ohr. Aber Du hast ganz andere Waffen als Vater und Stiefmutter oder der ehrenfeste Herr Bräutigam, ganz andere. Gegen Dich gehalten sind sie Lämmer, alle mit ’nander. Jetzt, jetzt auf einmal, jetzt eben ist mir das sonnenklar geworden.
Hoffmann in erheuchelter Entrüstung. Lene! Du bist .... Du bist nicht bei Trost, das ist ja heller Wahn.... Er unterbricht sich, schlägt sich vor den Kopf. Gott, wie wird mir denn auf einmal, natürlich! ... Du hast .... es ist freilich noch sehr früh am Tage, aber ich wette, Du hast .... Helene, Du hast heut früh schon mit Alfred Loth geredet.
Helene. Weshalb sollte ich denn nicht mit ihm geredet haben? Es ist ein Mann, vor dem wir uns alle verstecken müßten vor Scham, wenn es mit rechten Dingen zuginge.