Hoffmann. Aber sag’ doch mal — sollte das wirklich Dein Ernst gewesen sein ....?

Loth. Daß ich die nächste Nacht im Gast....?

Hoffmann. Unsinn! ... Bewahre! Was Du vorhin sagtest, meine ich. Die Geschichte da — mit Deiner vertrackten descriptiven Arbeit?

Loth. Weshalb nicht?

Hoffmann. Ich muß Dir gestehen, ich hielt es für Scherz. Er erhebt sich, vertraulich, halb und halb im Scherz. Wie? Du solltest wirklich fähig sein, hier ... gerade hier, wo ein Freund von Dir glücklich festen Fuß gefaßt hat, den Boden zu unterwühlen?

Loth. Mein Ehrenwort, Hoffmann! Ich hatte keine Ahnung davon, daß Du Dich hier befändest. Hätte ich das gewußt ....

Hoffmann springt auf, hocherfreut. Schon gut! schon gut! Wenn die Sachen so liegen .... siehst Du, das freut mich aufrichtig, daß ich mich nicht in Dir getäuscht habe. Also, Du weißt es nun, und selbstredend erhältst Du die Kosten der Reise und alles, was drum und dran baumelt, von mir vergütet. Ziere Dich nicht! Es ist einfach meine Freundespflicht .... Daran erkenne ich meinen alten, biederen Loth! Denke mal an: ich hatte Dich wirklich eine Zeit lang ernstlich im Verdacht .... Aber nun muß ich Dir auch ehrlich sagen, so schlecht, wie ich mich zuweilen hinstelle, bin ich keineswegs. Ich habe Dich immer hochgeschätzt, Dich und Dein ehrliches, consequentes Streben. Ich bin der letzte, der gewisse, — leider, leider mehr als berechtigte Ansprüche der ausgebeuteten, unterdrückten Massen nicht gelten läßt. — Ja, lächle nur, ich gehe sogar so weit zu bekennen, daß es im Reichstag nur eine Partei giebt, die Ideale hat: und das ist dieselbe, der Du angehörst! .... Nur — wie gesagt — langsam! langsam! — nichts überstürzen. Es kommt alles, kommt alles, wie es kommen soll. Nur Geduld! Geduld ....

Loth. Geduld muß man allerdings haben. Deshalb ist man aber noch nicht berechtigt, die Hände in den Schooß zu legen!

Hoffmann. Ganz meine Ansicht! — Ich hab’ Dir überhaupt in Gedanken weit öfter zugestimmt als mit Worten. Es ist ’ne Unsitte, ich geb’s zu. Ich hab’ mir’s angewöhnt, im Verkehr mit Leuten, die ich nicht gern in meine Karten sehen lasse .... Auch in der Frauenfrage .... Du hast manches sehr treffend geäußert. Er ist inzwischen an’s Telephon getreten, weckt und spricht theils in’s Telephon, theils zu Loth. Die kleine Schwägerin war übrigens ganz Ohr ... In’s Telephon. Franz! In zehn Minuten muß angespannt sein ... Zu Loth. Es hat ihr Eindruck gemacht ... In’s Telephon. Was? — ach was, Unsinn! — Na, da hört doch aber ..... Dann schirren Sie schleunigst die Rappen an ..... Zu Loth. Warum sollte es ihr keinen Eindruck machen? ... In’s Telephon. Gerechter Strohsack, zur Putzmacherin sagen Sie? Die gnädige Frau .... die gnä... Ja — na ja! aber sofort — na ja! — ja! — schön! Schluß! Nachdem er darauf den Knopf der Hausklingel gedrückt, zu Loth. Wart’ nur ab, Du! Laß mich nur erst den entsprechenden Monetenberg aufgeschichtet haben, vielleicht geschieht dann etwas ... Eduard ist eingetreten. Eduard! Meine Gamaschen, meinen Gehrock! Eduard ab. Vielleicht geschieht dann etwas, was Ihr mir alle jetzt nicht zutraut .... Wenn Du in zwei oder drei Tagen — bis dahin wohnst Du unbedingt bei uns — ich müßte es sonst als eine grobe Beleidigung ansehen — er legt den Schlafrock ab — in zwei bis drei Tagen also, wenn Du abzureisen gedenkst, bringe ich Dich mit meiner Kutsche zur Bahn.

Eduard mit Gehrock und Gamaschen tritt ein.