Hoffmann außer sich. Nun, dann ... dann habe ich auch nicht die kleinste Veranlassung, Dir gegenüber als Freund zu verfahren. Ich sage Dir also: daß ich Dein Auftreten hier — gelinde gesprochen — für fabelhaft dreist halte.

Loth sehr ruhig. Vielleicht erklärst Du mir, was Dich berechtigt, mich mit dergleichen Epitheta .....

Hoffmann. Das soll ich Dir auch noch erklären? Da hört eben verschiedenes auf! Um so was nicht zu fühlen, muß man Rhinoceroshaut auf dem Leibe haben! Du kommst hierher, genieß’st meine Gastfreundschaft, drisch’st mir ein paar Schock Deiner abgegriffnen Phrasen vor, verdrehst meiner Schwägerin den Kopf, schwatzest von alter Freundschaft und so was gut’s und dann erzählst Du ganz naiv: Du wolltest eine descriptive Arbeit über hiesige Verhältnisse verfertigen. Ja, für was hältst Du mich denn eigentlich? Meinst Du vielleicht, ich wüßte nicht, daß solche sogenannte Arbeiten nichts als schamlose Pamphlete sind? ... Solch eine Schmähschrift willst Du schreiben und zwar über unseren Kohlendistrict. Solltest Du denn wirklich nicht begreifen, wen diese Schmähschrift am allerschärfsten schädigen müßte? Doch nur mich! — Ich sage: man sollte Euch das Handwerk noch gründlicher legen, als es bisher geschehen ist, Volksverführer! die Ihr seid! Was thut Ihr? Ihr macht den Bergmann unzufrieden, anspruchsvoll, reizt ihn auf, erbittert ihn, macht ihn aufsässig, ungehorsam, unglücklich, spiegelt ihm goldene Berge vor und grapscht ihm unter der Hand seine paar Hungerpfennige aus der Tasche.

Loth. Erachtest Du Dich nun als demaskirt?

Hoffmann roh. Ach was! Du lächerlicher, gespreizter Tugendmeier! Was mir das wohl ausmacht, vor Dir demaskirt zu sein! — Arbeite lieber! Laß Deine albernen Faseleien! — Thu was! Komm zu was! Ich brauche Niemand um zweihundert Mark anzupumpen. Schnell ab durch die Mittelthür.

Loth sieht ihm einige Augenblicke ruhig nach, dann greift er, nicht minder ruhig, in seine Brusttasche, zieht ein Portefeuille und entnimmt ihm ein Stück Papier (den Chec Hoffmann’s), das er mehrmals durchreißt, um die Schnitzel dann langsam in den Kohlenkasten fallen zu lassen. Hierauf nimmt er Hut und Stock und wendet sich zum Gehen. Jetzt erscheint Helene auf der Schwelle des Wintergartens.

Helene leise. Herr Loth!

Loth zuckt zusammen, wendet sich. Ah! Sie sind es. — Nun — dann — kann ich Ihnen doch wenigstens ein Lebewohl sagen.

Helene unwillkürlich. War Ihnen das Bedürfniß?

Loth. Ja! — es war mir Bedürfniß —! Vermuthlich — wenn Sie da drin gewesen sind — haben Sie den Auftritt hier mit angehört — und dann .....