Die Sicherstellung, welche Sie für sich durch dies Gutachten für jede Zukunft, falls ich auf jener Verbindung bestände, zu verschaffen suchten, muß ich vollkommen anerkennen. Ja ich muß die Pflicht anerkennen, welche Ihre väterliche Liebe hat und Ihre höchste Stellung, mich ernsthaft und aufs gewissenhafteste auf diese Möglichkeiten aufmerksam zu machen und mir die Verbindung vollkommen zu untersagen, falls augenscheinlich Gefahr obwaltet.
Aus allem Angeführtem glaube ich aber nunmehr erneuert den Schluß ziehen zu müssen, daß es Ihnen lieb wäre, wenn die mir getanen Vorhaltungen mich bewegen könnten, nach Ihrem Wunsche von der näheren Bekanntschaftmachung der Prinzessin Cecile abzusehen und mich für Prinzessin Augusta zu entscheiden.
Wenn ich nun dies auch nicht unbedingt zu tun vermag, so sehe ich mich dennoch veranlaßt, meinerseits einen Schritt zu tun, der mich über meine Zukunft aufklärt, indem ich nur erlaube, die Frage zu stellen: „ob Sie aus jenen Gründen mit dem quästionierten Gutachten in Händen von Ihrem höchsten und väterlichen Standpunkte aus die Pflicht zu haben glauben, Ihre Einwilligung zu der in Rede stehenden Verbindung zu versagen, falls ich nach genauerer Bekanntschaft der Prinzessin Cecile um deren Hand wirklich anhielte?“
Von Ihrer gnädigen Beantwortung dieser Frage hängt dann natürlich mein ganzes ferneres Verhalten ab.
Glauben Sie Ihre Einwilligung geben zu können, so brauche ich in meinen Plänen nichts zu verändern.
Glauben Sie Ihre Einwilligung nicht geben zu können, so muß ich davon abstehen, die nähere Bekanntschaft der Prinzessin Cecile erst noch machen zu wollen, denn in der Ungewißheit, ob ich Ihre Einwilligung erhalten könnte, darf ich nie diese nähere Bekanntschaft suchen, weil sie leicht dahin führen könnte, daß das Aufgeben dieser Verbindung dann schmerzlicher sein dürfte, als es jetzt noch der Fall sein kann.
Mit kindlicher Liebe habe ich in meinem dankbaren Herzen jeden Schritt bewahrt, den Sie taten, um meine Zukunft sich glücklich gestalten zu sehen. Daher bitte ich auch nunmehr aus der Tiefe des Herzens, daß Sie meine Frage gnädig aufnehmen und ganz nach Ihrer Überzeugung beantworten mögen. Doch muß ich Sie noch darum bitten, mir nicht auf meine Verantwortung für die Folgen der gefürchteten Erblichkeit die mögliche Verbindung mit Prinzessin Cecile zusagen zu wollen und sich zu überzeugen, daß mein Herz noch durchaus nicht für eine der beiden Prinzessinnen sich entscheidender ausspricht wie früher.
Der Grund, warum ich gerade jetzt mit diesem entscheidenden Schritt gegen Sie hervortrete, ist der, daß in dem Falle die ferneren Pläne auf Prinzessin Cecile ganz aufgegeben werden müßten, ich wohl keine bessere und erwünschtere Gelegenheit finden könnte, Prinzessin Augusta noch näher kennen zu lernen und die dann nötig werdenden Schritte einzuleiten und zu tun als bei deren bevorstehender Ankunft hier mit ihrer Mutter... Der Kaiser hat mir mündlich heute beim Fahren zur Parade das förmliche Anerbieten gemacht, ob ich die zu erwartende Campagne nicht mit machen wollte... ich glaubte ihm antworten zu können, daß von einer Mißbilligung Ihrerseits ich nichts zu fürchten haben würde, indem die sich darbietende Gelegenheit wohl für jeden Soldaten zu interessant und wichtig sei, als daß Sie die Teilnahme an derselben versagen würden... daß sich Ihre Einwilligung wohl davon abhängig fühlen würde, in welcher Stellung sich Preußen zur Pforte beim etwaigen Ausbruch des Krieges befinden würde... Der Kaiser hat mich bei Zeiten von diesem seinen Anerbieten in Kenntnis gesetzt, damit ich der Distance wegen nicht zu spät Ihre Willens-Meinung erführe, wenngleich die Kriegs-Deklaration noch nicht erfolgt ist... So liegen Ihrer gnädigen Bestimmung zwei wichtige Fragen vor, deren Lösung ich mit ungemeiner Ungeduld entgegensehe, da sie von dem höchsten Einfluß auf meine ganze Zukunft sein werden. Von Ihrer väterlichen Liebe erwarte ich die Entscheidung, die für mein Herz und für meine militärische Tätigkeit von gleichem unendlichen Werte sein wird.
Ihr Sie zärtlichst liebender gehorsamer Sohn
Wilhelm.