Leider sehe ich immer mehr meine Ansicht bestätigt, daß die Revolutionäre mit jedem Moment dreister und um sich greifender werden, als deren Principien nicht allgemein bekämpft und auf den Kopf getreten werden. Ich hoffe und rechne sehr darauf, daß die energischen Maßregeln in den Niederlanden die Brüsseler usw. zu Paaren treiben werden...
Lippstadt, den 1. September 1830.
Heute früh 7 Uhr erhielt ich die erste Meldung von dem Aufstande in Aachen... So niederschlagend auch der Auftritt in Aachen ist, so kann ich doch nicht leugnen, hat er mich nicht überrascht. Die Stimmung jenseits des Rheines ist nicht günstig gewesen: „sie dächten gar nicht daran, preußisch zu bleiben, auch wäre das Ihre Ansicht, denn nur darum, weil sie bald wieder französisch werden würden, hätten Sie ihnen die französische Gesetzgebung gelassen“... Von neuem zeigt sich also, daß die unglückselige französische Gesetzgebung Schuld an der Entfremdung der Gemüter von Preußen ist. Von allen Seiten bin ich wieder angelegen worden, Sie inständig zu bitten, die preußischen Gesetze lieber heute wie morgen einzuführen. Und ich kann nicht anders als aus voller Überzeugung Sie fußfällig zu ersuchen, die jetzige Crisis zu brauchen, um Ihre Gesetze so schnell wie möglich am Rhein einzuführen. Die Revision der Gesetzgebung, bis zu deren Beendigung die Einführung der preußischen Gesetze ausgesetzt bleiben soll, ist noch so weit im Felde, daß unter vielen Jahren an deren Beendigung nicht zu denken ist, um so mehr, als die damit beauftragte Commission auch sehr eigentümlich combiniert sein soll. Dieses beständige Hinausschieben der Einführung der Gesetze am Rhein hat auch schon die Ansicht verbreitet, man fürchte sich eigentlich jetzt, unsere Gesetze einzuführen. Diesem Allem könnten Sie jetzt so rasch ein Ende machen...
Lippstadt, den 3. September 1830.
Die soeben aus Elberfeld eingegangene Meldung des dort statt gehabten Auflaufes eile ich Ihnen zu übersenden. Der Bürgersinn hat sich, wie es scheint, dort und in Köln und in Aachen bei den verschiedenen Aufständen sehr gut gezeigt. Eine aufrührerische Affiliation zwischen allen Fabrikorten ist aber unverkennbar, die unstreitig von revolutionären Emmissairs herrührt; die Revolution sucht allenthalben die Gründe der Unzufriedenheit zu erkunden, um darauf Unruhe zu basieren; bei uns scheint sie aber bis jetzt noch glücklicher Weise keinen nahrhaften Boden zu finden.
Coblenz, den 6. September 1830.
Soeben erhalte ich aus dem Haag die Nachricht, daß Wilhelm von Oranien dort am 3. ganz unerwartet angelangt ist, um die Proposition der Belgier zu überbringen, Belgien als ein eigenes Königreich ganz vom Königreich Holland zu trennen. Unter dieser Bedingung wollten sie ferner die Herrschaft des Königs anerkennen. Wenn ich meine Meinung aussprechen darf, so glaube ich, hätte der König von Hause aus diese Trennung bei Übernahme der Krone verfügen sollen, weil diese beiden Nationen nie zusammenzubringen wären; dies hat mir wenigstens vom ersten Augenblick an eingeleuchtet. Es scheint, daß der König auf diese Trennung eingehen wird als einziges Mittel, Belgien sich zu erhalten ohne Blutvergießen. Was ihm diese Concession kosten wird im Laufe der Zeit, ist unberechenbar, denn wer den Finger gibt, muß bald die ganze Hand nachgeben.
So hätte denn die Revolution in Zeit von 4 Wochen den zweiten Sieg davon getragen...
Wir fangen an, etwas Luft zu schöpfen[75], seit der heutigen Nachricht aus Brüssel. Wilhelm von Oranien hat sich wirklich aufgeopfert, aber auch viel aushalten müssen. In Loewen und Lüttich ist die Gährung noch sehr groß...