In diesem Augenblick geht durch einen Privat-Brief aus Brüssel die Nachricht hier ein, daß daselbst am 25. Abends bei Aufführung der Muette de Portici ein Aufruhr ausgebrochen ist, der mit Pfeifen im 5. Akt begonnen hat. Darauf hat man die Presse des royalistischen Journales zerstört, die Wohnung des Justizministers und zweier anderer Beamten zerstört; die Rufe Vive la liberté, à bas les ministres, vive Napoléon II wurden ausgestoßen, die Wachen verhielten sich ruhig. Um 2 Uhr Nachts hat, da sich der Aufruhr nicht legte, das Feuer der Truppen begonnen; einige haben zu feuern refusiert, das Volk hatte eine Kanone erobert; das Schloß war in Gefahr und mit Cavallerie umgeben. Um 6 Uhr früh dauerte das Feuer fort; es sollten nach Augenzeugen-Nachrichten viele Menschen tot und blessiert sein.
So wäre denn die Revolution in Spanien und den Niederlanden über die Grenzen gebrochen[74]... Hier soll der Geist gut sein, einige Schreier ausgenommen. Ich bin sehr herzlich hier empfangen worden, mit Illumination und Hurrah und Fackelzug... Ich darf nicht unterlassen, untertänigst zu bemerken, wie schwach unsere Festungen besetzt sind, bei der Concentration des 2. Armee-Corps. Lüttich ist eine schlecht gesinnte Stadt. Jülich hat 100 Mann Garnison, Köln nicht mehr.
Köln, den 29. August 1830.
Die Brüsseler Unruhen scheinen sich gänzlich gelegt zu haben... die ganze Sache scheint nur den Charakter eines Excesses, allerdings der gröbsten und gefährlichsten Natur zu tragen, dem aber unleugbar ein politischer Grund zur Basis diente, der aber glücklicher Weise weder von den Behörden noch dem angesehenen Teile der Bürger geteilt wird...
Da ich nicht das Glück gehabt habe, in der Beurteilung der französischen Revolution und der gegen dieselbe zu unternehmenden Reppressalien und deren Bekämpfung Ihre Intentionen zu treffen, so scheue ich fast, über diese belgischen Ereignisse ein Urteil zu fällen. Aber dennoch drängt es mich, auszusprechen, was daraus werden soll, wenn die Untertanen ad libitum die Souveraine bedrohen und durch Wort und Tat zwingen wollen, die Minister und überhaupt die Regierungsprinzipien nach ihrem Urteil, nach ihrem Willen zu wechseln und zu ändern. Die Ereignisse in Paris seit 3 Jahren sollten doch recht aufmerksam machen, was daraus wird, wenn ewig den Schreiern Concessionen gemacht werden.
So sehen wir aber, wohin man kommt, wenn stets Concessionen gemacht werden, die so lange verlangt und gesteigert werden, bis die Souveränität der der Orleans gleich kommt, das heißt, ein Mannequin!
Ich kann daher meine Ansicht nicht ändern; so lange man nicht mit aller Kraft und Gewalt der Revolution da, wo sie am abscheulichsten ausgebrochen ist und zu Resultaten geführt hat, also in Paris, entgegen tritt, so lange wird man auch das revolutionäre Princip nicht unterdrücken, sondern es nur nähren und bald allenthalben zum Ausbruch bringen!
Alles hier ist Ihrer Person ganz ungemein und unumwunden ergeben. Die Behörden können freilich nicht leugnen, daß es allenthalben Vereine gibt, die bei großen Fabrikstädten wie hier und in Aachen namentlich Unruhen oder unruhige Auftritte herbeizuführen trachten könnten; aber an eine Folge übler Art von dergleichen wäre nicht zu denken.
Lippstadt, den 31. August 1830.
Die Ruhe, welche in den Niederlanden hergestellt zu sein schien, hat sich leider nicht bestätigt und ist im Gegenteil die Sache viel schlimmer geworden... Der König hat Ihre Unterstützung für seinen wankenden Thron in Anspruch genommen...