Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Die Schweizer Reise.

Frankfurt a. M., den 3. August 1839.

Wieder zur Feder muß ich greifen, und dieses Jahr aus großer Entfernung, um Ihnen am heutigen teueren Tage[98] meine ebenso untertänigen wie herzlichsten und kindlichsten Wünsche für Ihr Heil und Wohl darzubringen. Möge Gottes Segen ferner wie bisher auf Ihnen ruhen und die Genugtuung für Ihren erhabenen und schweren Beruf auch ferner wie bisher Ihnen werden, im Hinblick auf die Segnungen, welche Sie verbreiten. Möge es mir gelingen, mir Ihre Gnade zu erhalten und Ihre väterliche Liebe, die sich in der neuesten Zeit so unendlich gnädig gegen mich aussprach und mich zu tief gerührtem Dank verpflichtet, zu verdienen. Meine Leistungen dereinst sollen Zeugnis von diesem meinem Danke und von meinem Willen geben.

Am 28. Nachmittags habe ich Ems[99] verlassen mit den Gefühlen der Dankbarkeit gegen die Vorsehung, die mir dort die Grundlage zur völligen Wiederherstellung gewährt zu haben scheint...

Bei meiner Ankunft hier empfing ich den Brief von Oberst v. Lindheim vom 23. Juli, den er mir in Ihrem Auftrage schrieb und also 8 Tage brauchte, um mich zu erreichen. Von Ihrer gnädigen Fürsorge für meine Gesundheit und der dieserhalb aufgestellten Bedenken gegen einen Aufenthalt in Baden-Baden bin ich tief durchdrungen... Die lebendigere Lebensweise in Baden-Baden mitzumachen oder nicht, hängt von meinem Befinden ab und dürfte ich wohl kein großes Behagen an der französischen Welt haben, welche dort leider die Hauptgesellschaft bilden soll und der ich mich wohl nicht anschließen werde und mit dem Vorschützen meiner Gesundheit genug Veranlassung habe, mich zurückzuhalten, ohne anzustoßen...

Das Resumé dürfte also sein, daß die gehegten Bedenken gegen einen Aufenthalt in Baden-Baden verschwinden dürften, teils weil meine Gesundheit so fortgeschritten ist, daß ich Manches schon zu ertragen vermag, woran freilich bei meiner Abreise von Berlin nicht zu glauben war, teils aber die Lebensweise ganz in meiner Hand liegt. Wenn ich demnach also den 6. in Baden-Baden einzutreffen gedenke, so kann ich es nicht unterlassen, Ihnen nochmals für Ihre gnädigen Bedenken für meine Gesundheit meinen tiefgefühltesten Dank abzustatten. Diese Ihre väterliche Fürsorge geht noch deutlicher aus dem Opfer hervor, welches Sie mir im Briefe des Obersten Lindheim zu bringen befehlen. Das Aufgeben der Beiwohnung der Herbstmanöver ist ein schwerer, schwerer Entschluß. Alles hatte ich getan, um dieses Opfer nicht nötig zu haben zu bringen. Freilich muß ich es selbst eingestehen, daß Vorfälle eintreten könnten, die mir nachteilig werden dürften bei den Manövern und daß es vorsichtiger ist, wenn ich Ihrer gnädigen Anweisung Gehör gebe... Somit werde ich also verzichten müssen auf das, worauf ich mich so sehr gefreut hatte und namentlich auf ein Lager bei Potsdam, was ich selbst in diesem Jahre vorschlagen wollte. Dazu kommt noch, daß ich alle Läger bei Potsdam bisher versäumte; 1828 war ich in Wien, 1830 nach der Juli-Empörung befahlen Sie mir, die Revue über die vierte Armee-Abteilung abzunehmen. Auch die 6. Division wieder zu sehen, würde mir so große Freude gemacht haben. Doch der Vernunft werde ich wohl Gehör geben müssen. Wenn ich also dies große Opfer bringe, so darf ich dagegen mir eine Gnade ausbitten, die darin besteht, daß Sie mir gestatten, Augusta nach ihrer beendigten Kur nach Karlsruhe kommen zu lassen, um die fünf Wochen, welche ich nach Schluß meiner Kur bis zur Rückkehr nach Berlin (22. August bis Ende September) übrig habe, mit ihr zuzubringen und eine kleine Reise nach der Schweiz, vielleicht bis an die italienischen Seen, zu unternehmen. Diese Zerstreuung würde, mit der Freude, Augusta die herrlichen Gegenden sehen zu lassen, mich einigermaßen über das, was ich in der Heimat aufgeben muß, hinwegführen, ohne in eine Art Hypochondrie zu verfallen, was sonst möglich wäre, wenn ich tagtäglich, wenn auch entfernt, aber doch unbeschäftigt, nach Potsdam denken müßte...

Baden-Baden, den 20. August 1839.

.... Gestern Abend 7 Uhr ist Augusta glücklich hier angekommen. Sie können sich leicht unsere Freude denken. Denn unser Abschied war sehr, sehr schwer; ich ging selbst sehr besorgt um meine Gesundheit ab und Augusta war es wohl noch mehr als ich. Nun fand sie mich so ganz hergestellt und gesund aussehend, wie sie es selbst versichert es nicht erwartet zu haben. Dieser ihr Ausspruch wird hoffentlich auch Ihnen beweisen, daß meine früheren Darstellungen über meinen Zustand nur die Wahrheit enthielten und ich gewiß somit am besten alle Gerüchte widerlege, die man über Unvorsichtigkeit usw. meinerseits verbreitet hatte...