Baden-Baden, den 23. August 1839.

Nach Augustens Ankunft am 21. haben wir täglich Excursionen in der schönen Umgegend gemacht und wurden stets vom Wetter begünstigt. Gestern hatten wir einen Regentag und auch gestern noch kühles Wetter. Morgen werden wir der Großherzogin Sophie unsern Besuch in Karlsruhe machen; es ist gerade der Geburtstag des abwesenden Großherzogs. Am 30. gehen wir nach Freiburg,

den 1. nach Zürich,
den 2. nach Luzern,
den 3. auf den Righi,
den 4. nach Wasen im Reußtal,

d. h. bei schönem Wetter, sonst zurück nach Luzern und so nach Thun usw. bis zum 8.
den 5. über die Furka nach der Grimsel,
den 6. nach Meyringen,
den 7. nach Grindelwald,
den 8. nach Lauterbrunn und Interlaken,
den 9. nach Bern,
den 10. nach Neuchatel,
den 11. daselbst,
den 12. nach Lausanne,
den 13. nach Chamouny,
den 14. nach Martigny,
den 15. nach Brieg,
den 16. über den Simplon,
den 17. auf den Lago maggiore und nach Mailand,
den 18. nach Como,
den 19. am Comer See,
den 20. über den Splügen,
den 21. den halben Weg nach Insbruck,
den 22. nach Insbruck,
den 23. nach St. Johann,
den 24. nach Salzburg,
den 25. nach Vels,
den 26. nach Budweis,
den 27. nach Prag,
den 28. nach Dresden,
den 29. nach Berlin.

Sollten die Witterungs- oder die Gesundheitsverhältnisse eine Änderung herbeiführen, so würden wir namentlich die kleineren Excursionen in den kleinen Cantons unterlassen und dann um so viel früher den Simplon überschreiten. Da ich Mailand zu besuchen nicht in meinem Briefe aus Frankfurt a. M. vom 3. August erwähnte, so werde ich, da Sie auf diesen Brief Augustas Weiterreise gestatteten, die zwei Reisetage nach Mailand mehr nicht zur Liquidation bringen, um Ihre Gnade nicht zu mißbrauchen.

Nach diesem Plan hoffen wir also zu Augustas Geburtstag zurück zu sein; aber freilich mit Gewißheit läßt es sich nicht vorhersagen, ob nicht ein paar Tage manquieren könnten.

Es wird mir heute aus Berlin geschrieben, daß Sie noch nicht bestimmt hätten, wer die Manöver bei Potsdam commandieren wird, was mich ordentlich tourmentiert. Auch soll ja im Lehrbataillon und der Spandauer Garnison eine ungewöhnliche Krankenzahl einreißen; wenn nur nicht wieder die Cholera kommt, die schon in Schlesien sich zeigen soll. Dies Alles geht mir so im Kopfe herum, daß mir meine Abwesenheit immer schwerer wird, da gerade unter solchen Verhältnissen so Vieles anzuordnen sein würde, was Fürsorge erheischt.

Ich fühle jetzt fast zum ersten Male in meinem Leben, wie ohne Gesundheit Alles zerstört ist und man zu nichts taugt. Gott sei Dank, daß ich sagen kann, daß ich völlig hergestellt bin, was ich seit kurzem auch daran bemerke, daß ich unwillkürlich einen raschen Schritt wieder angenommen habe, den ich lange vermißt. Nächst Gottes gnädigem Beistande verdanke ich Ihrer Gnade zu meiner Wiederherstellung so viel, da Sie mir so Alles bewilligten, was zu meiner Beruhigung gereichte. Aber meinen Arzt, den Dr. Großheim, muß ich speciell Ihrer Gnade empfehlen, dem ich unendlich viel verdanke und der stets Ansprüche auf meine vollkommenste Anerkennung haben wird.

Ihr gehorsamer Sohn
Wilhelm.

Karlsruhe, den 30. August 1839.

.... Gleich nach meiner Ankunft hier besichtigte ich mit dem General Lassolaye die von ihm vervollkommneten Geschütz-Lafetten, deren Konstruktion Ihnen eingeschickt worden ist. Die Sache erscheint ungemein praktisch für die Leichtigkeit und Gelenkigkeit, ohne Verminderung der Haltbarkeit. Ich bin aber nicht Techniker genug, um etwaige Übelstände zu ergründen; doch erscheint die Erfindung, die sich in den schlechtesten Gebirgswegen bewährt hat, jedenfalls beachtenswert...