Ein vergessener Schüler Albrecht Dürers[1].
In der Gemäldegallerie des Germanischen Nationalmuseums befindet sich unter Nr. 273 ein Bildnisdiptychon, das, wie aus dem rückseits angebrachten Familienwappen zu entnehmen ist, den Nürnberger Bürger Hans Straub und seine Gattin Barbara Pirkheimer darstellt[2].
Die Straube waren eine Kaufmannsfamilie, deren Ahnherr Bernhard Straub im Jahre 1495 in Nürnberg das Bürgerrecht erwarb[3] und später Genannter des größeren Rats wurde[4], womit seine Familie in den Kreis der Nürnberger ehrbaren Geschlechter eintrat. Einer seiner Söhne, der obengenannte Hans Straub vermählte sich am 8. Februar 1518 mit Barbara, der jüngsten Tochter des Nürnberger Staatsmanns und Gelehrten Wilibald Pirkheimer und dessen Gemahlin Crescentia Rieter[5]. Die Pirkheimer führten eine Birke, die Rieter ein Meerweib im Wappenschilde. In der goldenen Halskette, mit der Barbara auf dem Bildnis geschmückt ist, wechseln diese Wappenfiguren mit einander ab; die Kette war also sicher ein Familienerbstück, das Barbara aus dem Nachlasse ihrer (1504) verstorbenen Mutter zugefallen war.
Wie die Aufschriften des Diptychons besagen, wurde es im Jahre 1525 gemalt. Das Monogramm des Künstlers fehlt. Die Porträts rühren aber zweifellos von einem Maler her, der sich an Dürer gebildet hatte; sie wurden daher der Schule Dürers und insbesonders dem Maler Georg Pentz zugewiesen[6].
Von bekannten Nürnberger Malern aus Dürers Schule kämen außer Pentz noch die beiden Brüder Hans Sebald und Barthel Beham in Frage; allein im Jahre 1525, wo die Bildnisse entstanden sind, können die drei Maler überhaupt nur verschwindend kurze Zeit in Nürnberg thätig gewesen sein. Im Winter 1524 auf 1525 hatte es der Nürnberger Rat mit einer gefahrdrohenden Bewegung religiöser und sozialistischer Natur zu thun. Unter den Aufwieglern befanden sich auch Pentz und die beiden Beham, die sogenannten »drei gottlosen Maler«. Sie wurden Anfang Januar 1525 gefänglich eingezogen und dann zur Strafe aus der Stadt gewiesen[7]. Die Verbannung wurde wahrscheinlich in der üblichen Weise gegen sie ausgesprochen, daß sie nur in einer Entfernung von einer bestimmten Anzahl Meilen sich niederlassen durften. Nachdem die drei Maler hierauf wiederholt vergebens um Erlaß der Strafe gebeten hatten, wurde zunächst dem Maler Pentz vom Nürnberger Rate gestattet, in der Stadt Windsheim, die von Nürnberg zwölf Stunden entfernt ist, seinen Wohnsitz zu nehmen[8]. Schließlich aber erhielten alle drei Maler auf Fürbitte Melchior Pfinzings, des Probstes von St. Sebald, Verzeihung: es wurde ihnen durch Ratsbeschluß vom 16. November 1525 erlaubt, wieder zurückzukehren[9]. Hiernach können also die Maler kaum vor dem 19. oder 20. November nach Nürnberg zurückgekommen sein; und da nach damaliger Rechnung das Kalenderjahr mit dem 24. Dezember abschloß[10] so ist es an sich schon wenig wahrscheinlich, daß gerade in dieser kurzen Zeit am Ende des Jahres 1525 beide Porträts von der Hand eines dieser Maler geschaffen sind.
Doch noch ein weiterer Umstand spricht gegen die Autorschaft eines der genannten drei Maler: weder bei Pentz, noch den beiden Beham lassen sich irgendwelche Beziehungen zu der Familie Straub oder Pirkheimer feststellen.
Wohl aber ist dies der Fall bei einem anderen Maler, der nicht bloß wie Pentz und die Brüder Beham wegen der Malweise der Schule Dürers beizuzählen ist, sondern auch dokumentarisch sich als Schüler Dürers nachweisen läßt[11]. Wir meinen den Maler, dessen in einem Verlaß des Nürnberger Rats vom 8. Oktober (sabbato post Francisci) 1524 mit den Worten Erwähnung geschieht:
»Albrecht Durers Knecht Jergen, der sein Mayd zur Ehe genommen, um 2 Guldin Werung zu Burger auffnemen.