H. Volkamer.«
Unter diesem Knechte wurde bisher Georg Pentz verstanden[12]. Pentz aber hatte bereits am 8. August 1523 und zwar gegen eine Aufnahmegebühr von vier Gulden in Nürnberg das Bürgerrecht erworben[13], und seine Frau hieß Margareta, während doch Dürers Magd, wie bekannt, den Vornamen Susanna führte[14]. Demnach kann Pentz unmöglich mit diesem Knecht Georg identisch sein.
Den Familiennamen des Knechtes Georg erfahren wir aus dem Bürgerbuche, wo unter anderen neu aufgenommenen und vereideten Bürgern zum selben Tage, sabbato post Francisci 1524, aufgeführt ist[15]:
»Gorg Schlenck, Maler, dedit ... 2 fl. werung.«
Wir haben es also hier mit einem bisher völlig unbekannten Schüler Albrecht Dürers zu thun; und wenn er auch als Künstler keinen Ruhm erlangt hat, so sind doch seine Schicksale deshalb von ganz besonderem Interesse, weil sie, im Zusammenhang mit anderen Erscheinungen aus Nürnbergs Kunstwelt betrachtet, es erst erklärlich machen, warum in Nürnberg der Malerei nur eine so kurze Blütezeit beschieden war.
Es dürfte sich daher wohl verlohnen, eine biographische Skizze dieses Mannes zu entwerfen.
Wir begegnen ihm zum ersten Male gelegentlich seiner Verheiratung mit Susanna. Sie hatte schon längere Zeit in Dürers Hause als Magd gedient, muß aber bei der Eheschließung noch jung gewesen sein, weil sie im Jahre 1520 noch als Mägdlein bezeichnet wird[16]. Bei dem Ehepaar Dürer, das sich keiner Nachkommenschaft erfreute[17], wurde sie wie zur Familie gehörig behandelt; sie machte 1520 und 1521 mit Dürer und seiner Frau Agnes die Reise in die Niederlande mit und wurde dort sogar zu Festlichkeiten mit eingeladen, die man zu Ehren ihres Herrn veranstaltete.
Als Schlenk das Bürgerrecht erwarb, gewährte ihm der Rat einen Nachlaß an der Aufnahmegebühr[18]; er hatte nur zwei Gulden zu zahlen, während sonst die Mindestgebühr vier Gulden betrug. Vier Gulden wurden von denen gefordert, deren Gesamtvermögen nicht über 100 Gulden an Wert geschätzt wurde. Er war also von Haus aus arm, und seine Dürftigkeit wird ihn daher bewogen haben, noch weiterhin bei Dürer zu arbeiten; wenigstens wird noch im Jahre 1526 ein »Diener« Albrecht Dürers erwähnt[19].
Über Schlenks Thätigkeit als Maler ist wenig zu sagen. Mit einiger Gewißheit wird man ihm nur die bereits oben besprochenen Porträts des Nürnberger Kaufmanns Hans Straub und dessen Gattin Barbara, der jüngsten Tochter Willibald Pirkheimers, zuweisen können.
Zwischen den Familien Pirkheimer und Dürer herrschten die freundschaftlichsten Beziehungen. Auch Barbara stand bei Dürer in besonderer Gunst: er gedachte ihrer auch auf seiner Reise in die Niederlande und brachte ihr von dort Geschenke mit[20]. Dann war Dürer aber auch der Berater seines Freundes Pirkheimer in Kunstsachen und lieferte ihm im Jahre 1525, also gerade in der Zeit, wo die oben erwähnten Bildnisse entstanden sind, mehrere Zeichnungen zu einer Ausgabe des Ptolomaeus[21]. So waren also bei diesem intimen Verkehr viele Anknüpfungspunkte zwischen den Gliedern der Familie Pirkheimer und Dürers Hausgenossen, d. h. seinem Gehilfen Georg Schlenk und dessen Frau Susanna, vorhanden.