Initialen in Holzschnitt von dem Rechenmeister Paulus Frank (um 1600).

Herr Geheimrat Dr. von Hefner-Alteneck in München hat dem germanischen Museum vor einigen Wochen eine Sammlung von 46 Blatt Initialen in Holzschnitt aus der Wende des 16. Jahrhunderts zum Geschenk gemacht, die in der That, was Schwung und Bravour der Ausführung betrifft, ihres Gleichen suchen und von einem hoch entwickelten Sinn für ornamentale Schönheit zeugen, wenn auch die Deutlichkeit der Buchstaben hin und wieder zu wünschen übrig läßt. Die Initialen gehören im ganzen fünf verschiedenen Alphabeten an. Eines derselben ist jedoch nur durch einen Buchstaben, ein W, vertreten, welches offenbar aus der Schule Neudörfers stammt und im Folgendem unberücksichtigt bleibt. Von den vier anderen Alphabeten sind die prachtvollen Initialen des einen fast in kl. 2°-Format ausgeführt, die Buchstaben des zweiten nur etwa halb so groß und diejenigen des dritten und vierten wiederum halb so groß als die Buchstaben der zweiten Folge. Das dritte Alphabet unterscheidet sich von dem vierten wesentlich dadurch, daß die Initialen des einen in gewöhnlichem kl. 8°-Format, die des andern in kl. qu. 8°-Format angeordnet sind.

Fig. 1.

Alle diese vier Alphabete rühren, wie schon die oberflächlichste Betrachtung mit vollkommener Deutlichkeit lehrt, von einem und demselben Meister her, der auch seinen Namen auf allen Holzschnitten der großen Folge mit nur einer Ausnahme und auf den meisten Blättern des mittleren Alphabets durch ein verschlungenes ·PF· in gotischen Lettern — nur einmal stehen beide Buchstaben gesondert — angedeutet hat.

Wer war dieser Meister ·PF·? Diese Frage beantwortet uns ein zu Nürnberg bei Christoff Gerhard im Jahre 1655 gedrucktes Buch, welches den Titel trägt: »Kunstrichtige Schreibart Allerhand Versalien oder Anfangs Buchstaben Der Teütschen Lateinischen und Italianischen Schrifften, aus unterschiedlichen Meistern der Edlen Schreibkunst zusammen getragen. Nürnberg Bey Paulus Fürsten Kunsthändlern daselbst«, und welches in seiner zweiten Hälfte die vier Alphabete vollständig enthält. Auch die beiden Holzschnittfolgen des kleinsten Formates, die in unserer Sammlung nur durch ein, bezw. zwei Blätter vertreten waren, weisen hier meistens das Monogramm ·PF· auf.

Man würde nun aber sehr irren, wollte man dasselbe etwa auf Paul Fürst beziehen und aus dem Buchhändler zugleich den Formschneider oder Zeichner für den Holzschnitt konstruieren. Die Übereinstimmung der Anfangsbuchstaben des Namens ist nur zufällig. Den wahren Verfertiger dieser Alphabete lernen wir vielmehr erst aus der Vorrede zu dem genannten Buche kennen, in der es auf S. 14 zu Anfang des V. Abschnittes (»Von diesem Wercke«) heißt:

Fig. 2.