woraus wir also das Erscheinungsjahr des Gedichtes (1482) kennen lernen.

Bl. 12b ist leer. —

Wenn Hans Folz in seinem Spruchgedicht von der Pestilenz, wie wir gesehen haben, mehrfach hervorhebt, daß er die gereimte Form absichtlich gewählt habe, damit sich seine Lehren und Rezepte leichter dem Gedächtnisse einprägen möchten, so hatte er ohne Zweifel Recht mit dem Glauben, daß nur auf diese Weise der großen Masse des Volkes mit seinem Büchlein wirklich gedient sein könne. Hat doch das frühere Mittelalter, von demselben Gedanken geleitet, gelegentlich noch ganz andere Dinge in Reime gebracht, und verdanken wir doch noch heutzutage die schönen Schmalzischen Genusregeln, den kürzlich erschienenen ersten Teil einer gereimten Übertragung des neuen Bürgerlichen Gesetzbuches für das Deutsche Reich und so manches Andere der gleichen menschenfreundlichen Absicht. Aber Gefühl und Verstand der Gebildeten wird sich doch in der Regel gegen eine solche mechanische Lernweise sträuben, und gerade in der Zeit des erwachenden Humanismus und bei einem so schrecklichen Gegenstande, wie es die Beulenpest war, konnten Folzens Reime dem Geschmack der höheren Stände nicht entsprechen. Andererseits aber mußte man sich doch sagen, daß Folz mit seinem tüchtigen ärztlichen Wissen und der großen Popularität, deren er sich als Poet erfreute, der rechte Mann zur Abfassung verständiger und wirksamer Unterweisungen über die Natur, Verhütung und Behandlung der verheerenden Seuche sei. So ward denn der Dichter, kurz nachdem er sein Gedicht von der Pestilenz hatte in Druck ausgehen lassen, von Anton Haller, offenbar einem Angehörigen der bekannten Nürnberger Patrizierfamilie, aufgefordert, noch einmal und zwar in Prosa ein Traktätlein darüber abzufassen »von etlicher wegen, den das vngereimt pas gewon ist«; und dieser Bitte ist Hans Folz noch im selben Jahre in der That nachgekommen. Ein Exemplar seines Prosatraktats von der Pestilenz hat nun letzthin für die Bibliothek des historisch-pharmazeutischen Zentralmuseums erworben werden können, und da ich dieses Schriftchen weder in den einschlägigen litteraturgeschichtlichen Werken noch in den typographischen und bibliographischen Handbüchern irgendwo erwähnt gefunden habe, so verlohnt es sich wohl, über die neue Erwerbung an dieser Stelle etwas ausführlicher zu berichten.

Es ist ein Heftchen von 16 Blatt in kl. 8o, mit genau denselben Typen und auf dem gleichen, vortrefflichen Papier (Wasserzeichen: Ochsenkopf mit Stande und Kreuz) wie das vorbesprochene Gedicht, und noch augenscheinlicher als dieses von einem Dilettanten, d. h. von Hans Folz selbst gedruckt. Bl. 1a enthält in vier kurzen Zeilen den Titel:

»Item von der pestilencz ein hübsch

nüczlich vnd kurcz begriffes trac

tetlin getrukt im mcccc vnd in

dem lxxxii iare hans folcz«

Fig. 2.