Bl. 1b ist beifolgend in der Größe des Originals wiedergegeben (Fig. 2). Anstatt der Anrufung des heiligen Sebastian als des Schutzpatrons der Pestkranken, die sich in dem Spruchgedicht gleich zu Anfang findet, sehen wir hier einen ziemlich rohen Holzschnitt, das Martyrium des Heiligen darstellend dem Texte vorgedruckt. Dieser selbst ist in mehrfacher Beziehung von nicht geringem Interesse. Zunächst müssen wir noch einige Augenblicke bei dem Eingang verweilen, nach welchem oben bereits die kurze Entstehungsgeschichte des Werkes mitgeteilt worden ist. Folz nennt hier den Antonius Haller seinen »besundern guten freunt,« was uns, da an der Zugehörigkeit Hallers zum Patriziat der Stadt doch wohl nicht zu zweifeln ist[314], einen willkommenen Einblick in die gesellschaftliche Stellung Folzens, die eine recht angesehene gewesen zu sein scheint, gewährt. Nur nebenbei sei bemerkt, daß jener »Anthoni Haller« wahrscheinlich identisch ist mit einem anderen Haller, an den sich einmal der Schreiber eines Teils der Weimarer Fastnachtpielhandschrift Q 566, — es handelt sich um eine Version von Folzens »Pharetra contra iudeos« — in ein paar Zeilen wendet[315], woraus dann wohl die Identität jenes Schreibers mit Hans Folz gefolgert werden könnte[316]. Weiter aber ergiebt sich aus den Eingangsworten auch, wie bereits angedeutet wurde, ein Rückschluß auf das Ansehen, welches Folz als Arzt genoß. Und fürwahr, wer diese kernige Prosa liest, der wird sich der Einsicht, es mit einem bedeutenden Menschen, mit einem tüchtigen Charakter zu thun zu haben, nicht verschließen können.

Zunächst wendet er sich — vom Gedankengang des Gedichtes weicht der des Traktätleins erheblich ab — gegen die, welche auch aus religiösen Gründen meinen, daß niemand durch menschliche Kunst der Seuche widerstehen, der Krankheit vorbeugen könne. Dann also, sagt Folz

»hette got erczney vm sunst erschaffen, vnd also würden die erczt verlossen, vnd so hette auch salamon vergebes geret: ere den arczt vm deiner notturfft willen.« »Dar vmb«, heißt es später weiter, »so sech ein yder auff, wan sich selbs sol niemant verkürczen, so er doch nit weys, ob die erczney hilflich sein möcht oder nit, vnd ob er sie verliesse vnd müste sterben, möcht er in sich schlaen, sich selbs verkürczt haben.

hie mit ich bewert will haben, fil peßer den arczat gesucht vnd die dötlich gifft geflohen, dan im selber des sterbes vrsach geben, so doch der mensch nicht dester minder got seinen willen heim seczt.«

Nun folgen die Verhaltungsmaßregeln und Rezepte, die einer genaueren Prüfung und Würdigung zu unterziehen, ich wieder Anderen, solcher Sache Kundigen überlassen muß. Dabei geht es gelegentlich kräftig über die schlechten Ärzte und Quacksalber her, die nicht jeden einzelnen Kranken nach seiner besonderen Individualität behandelten:

»wan sie weder die complex des krancken noch der kranckheit gancz kein vnter scheyt haben.

vnd also leyt ein plinter den andern vnd fallen peid in die gruben, wen ich selbs einen gesehen hab, der mit einer purgaczen, die er yder man gab, sich selber schnel hin richtet.

Sülch erczt dürfften eins eigen spitals oder kirchofs in einer stat. Aber ein weyser, fürsichtiger rot solt ob einem sülch sein vnd keinem rohen leyen fraw oder man besunder in der kunst vngeüpt des nit zu sehen, so es den wissende vnd lang erfaren schwer ist — ich sweig, das von sülchen erczten mancher gichtig, vnsinig, contract, lam, auseczig oder in die hin faleden sucht felt oder an einer sülchen purgaczen pald erstickt. aber als man den schuster vm hosen flickens willn suchen wolt, also sucht man nun erczney pey pecken, plattnern, rotschmiden, goldsmiden vnd alten weybern vnd fil andern lant bescheissern, die ir ercznei mit dörechter zeignus der prif besteten weln, vnd das fil mer ist: so sucht man auch erczney pey den iüden, der es keinem erlaupt ist pei verwerffung aus irer sinagog, dan allweg den zehenden zu erdöten oder auf das minst erlemen oder eim ein gift ein zu füren, die sich über ein iar zwey, drew erst fint; do claupt auf die puczpirn«[317].

Sodann werden 14 Präservativmittel angeführt und besprochen, hierauf noch die Symptome der Krankheit und endlich das Sterben des von der Pest Befallenen beschrieben:

»Item die zeichen des dots sint: differ atem, begerung des kuln luffts, vmsleglung mit henden vnd füssen, groß angst, steti vnru, truckner munt, swercz der zungen, dürrer hust, endrung der vernunfft, kalter sweis, zeherung der augen, grosser graw, fil vndewung, scheissen vnd prunczen an das pet, schaumig stul, feucht oder schwarcz, heilstet suchen, kerung zu der wend, geher hunger, verswindung der aposten[318], vnsetiger durst, zitern dez pulß, swarczer prun — dan gnad im got