Links, vor der Esse, sitzt Vulkan, hält in der Rechten in Lendenhöhe den Hammer, in der Linken einen Pfeil, der auf dem Ambos aufliegt. Rechts Venus, stehend, nackt, mit der Linken ein Tuch auf der Brust haltend, die Rechte gegen Vulkan vorgestreckt. An ihr rechtes Bein lehnt sich der nackte Amor, der in der Rechten den Bogen trägt. Links im Vordergrunde am Boden ein Helm, rechts am Ambos ein Hammer. Hintergrund: Flußlandschaft, Brücke, Berge, Bäume, antike und ruinenhafte Architektur.

Die Plakette ist beschnitten. Das Original, Bronze, ist viereckig. S. »Beschreibung der Bildwerke der christlichen Epoche.« Berlin 1888. (Königl. Museen zu Berlin) S. 238, Nr. 1071. Abb. Taf. XLVIII. Molinier, Les Plaqu. No. 599.

4) Aktäon. K. P. 869. Katal. 578. Oval. Br. 0,107 m., H. 0,077 m. Bleiguß. Tafel II.

Diana, die sich mit drei Nymphen links im grottenartigen Bade befindet, besprengt mit ihrer Rechten, während die Linke ein Laken vor die Scham hält, Aktäon mit Wasser. Sein Haupt ist bereits in einen Hirschkopf verwandelt. Er sucht nach rechts zu enteilen. In der Linken trägt er einen Jagdspeer, rechts und links von ihm je ein Jagdhund. Den linken führt er an der Leine.

5) Umarmung. K. P. 865. Katal. 591. Oval. Br. 0,09 m., H. 0,12 m Bleiguß.

Auf den Knieen eines nackten, nach rechts gewandten, sitzenden, vollbärtigen Mannes sitzt ein ebenfalls nacktes Weib mit emporgezogenem rechtem Knie, das er küßt und umarmt. Sie stützt ihre Linke auf sein linkes Knie. Über beiden schwebt der Liebesgott, der sie mit Blumen bestreut. Links im Vordergrunde zwei Gefäße.

Ich habe bereits auf den erhöhten Einfluß der Litteratur auf die bildende Kunst im 16. Jahrhundert hingewiesen. Waren es im Mittelalter vornehmlich biblische Geschichten und Heiligenlegenden, welche die Phantasie des Künstlers beschäftigten, so wagen sich seit dem Ende des 15. Jahrhunderts auch die weltlichen Darstellungen immer dreister hervor, bis sie innerhalb weniger Jahrzehnte die ersteren an Zahl weit überflügeln. Andererseits werden auch viele der biblischen Stoffe in einer Weise profaniert, daß man sie von den weltlichen Dingen nicht mehr scheiden darf. Es ist unnötig, auf die allgemein bekannten Gründe dieser Erscheinung nochmals hinzuweisen. Die Emblemata, die ovidischen und livischen Figuren etc., die bewußt für den Künstler und besonders den Kunsthandwerker geschaffen waren, hatte ich angeführt. Daneben aber existiert noch eine außerordentlich reichhaltige Anekdoten- und Schwanklitteratur, die sich der weitesten Verbreitung erfreute und häufig dem Künstler als Born diente, aus dem er schöpfte. Dazu gehören beispielsweise die Erzählungen, die, bereits im Mittelalter handschriftlich in den sogenannten »Gesta Romanorum« niedergelegt, im 15. Jahrhundert in lateinischer und deutscher Ausgabe erschienen, dann »Buch der Beispiele der alten Weisen«, Boccaccios Decamerone, Pauli, Schimpf und Ernst, Kirchhoff, Wendunmuth etc. etc. bis auf Samuel Meiger, der in seinem »Nucleus Historiarum« 1598 eine systematisch geordnete Zusammenstellung dieser »Geschichten« anstrebte. Manche dieser Anekdoten, die früher sicherlich zum größten Teil ganz allgemein bekannt waren, die also jeder Künstler auch, ohne befürchten zu müssen, daß er nicht verstanden werde, benutzen konnte, haben sich bis heute im Bewußtsein des Volkes erhalten, die große Mehrzahl aber ist ihm im Laufe der Zeit entschwunden. Daß man auch in Gelehrtenkreisen nicht immer diesem Anekdotenschatze die nötige Aufmerksamkeit schenkt, davon legen die oft sehr wunderlichen Erklärungen von Bildwerken der Renaissance Zeugnis ab. Als typisches Beispiel in dieser Beziehung kann die Collektion Spitzer gelten. Es ist ja allerdings nicht immer leicht, selbst wenn man die Geschichten kennt, die richtige Deutung zu finden, da der Stoff ein sehr umfangreicher ist, die Überlieferungen oft von einander abweichen und der Künstler bisweilen sich nicht streng an die schriftliche Überlieferung hält. Umsomehr wäre es eine verdienstliche Arbeit, das ganze Material einmal zu ordnen, eine Art Realencyklopädie auf diesem Gebiete anzulegen, zumal dieselbe auch einen wesentlichen Beitrag zur Erkenntnis der geistigen Interessen jener Zeit liefern würde. Ich berühre hier diesen Gegenstand, weil eine Anzahl von Plaketten eines Meisters mir vorliegen, deren einzelne völlig falsche Erklärung gefunden haben.

1) Der ungerechte Richter. K. P. 250. Katal. 574. Br. 0,065 m., H. 0,024 m. Bleiguß.

Links über einem Stuhle, hinter dem ein nackter Krieger mit Helm und Lanze steht, liegt die Haut des ungerechten Richters. Rechts davon der König in antiker Tracht, auf die Haut deutend. Neben ihm der Sohn des Geschundenen. Des weiteren vier Personen, von denen drei bewaffnet sind. Rechts ein rundbogiger Eingang.

Die Darstellung ist im Katalog der Originalskulpturen irrtümlich erklärt als: »der des Kopfes beraubte Sohn vor dem Schatzhause.« In »Collektion Spitzer« Bd. III, S. 15, Nr. 29 aber findet sich folgende treffliche Deutung: »Plusieurs personnages vêtus à l’antique regardant une sorte d’armure complète, composée d’une peau de lion posée sur un trône.« In Wirklichkeit haben wir es mit einer Erzählung zu thun, die sich in »Gesta Romanorum« ed. Österley S. 324, cap. 29, findet: »Erat quidam imperator, qui statuit pro lege, quod sub pena gravi quilibet judex recte judicaret, et si contrarium faceret nullo modo misericordiam inveniret. Accidit casus, quod quidam judex muneribus corruptus falsum judicium dedit. Imperator cum hoc andisset, servis suis precepit, ut eum excoriarent. Et sic factum est. Pellem ejus in loco, ubi judex sedere deberet, posuit ad significandum, quod ille judex cogitaret, quod amplius falsum judicium non daret. Rex vero filium judicis defuncti judicem constituit dicens ei: Sedebris super pellem patris tui, ut judices populum meum. Si vero aliquis affert tibi donum ut declines a via recta, ad pellem patris tui respicias, ne tibi hoc idem contingat«.