Über dem ganzen Hause ruht das mächtige Dach, das einen einzigen, ungeteilten Bodenraum umschließt. Die Balkenlage stützt sich teils auf das Gemäuer des Wohngeschosses, teils auf die starken eichenen Ständer, die tief in den Werfthügel eingelassen und an den 4 Ecken in die Hausmauer eingeschlossen sind. Die Ständer haben den oft genug thatsächlich erfüllten Zweck, den Dachboden als den wichtigsten Teil des Hauses in Zeiten der Gefahr zu tragen, wenn die Mauern und Wände durch die Wucht hochgespannter Sturmfluten eingedrückt waren; denn in solchen Zeiten retten sich die Bewohner mit ihren Schafen auf den Boden als ihren einzigen Zufluchtsort. Das kräftige Gespärr wird gestützt durch einen Firstrahmen mit Kehlbalken und Firstsäulen, denn das auf dichtgereihten Latten ruhende Rohrschaubendach hat den Druck von häufig genug orkanartigen Stürmen auszuhalten. Wo ein Haus mit den Giebeln an Nachbarhäuser stößt, ist es mit einem einfachen Satteldach gedeckt, wo es freisteht, mit einem Walmdach, dessen Walme entweder ganze oder Krüppelwalme sind. Nicht mehr so regelmäßig wie früher ragt auf den Halligen ein Giebel aus dem Dache über der Eingangsthür hervor, wie er sonst charakteristisch ist für das friesische Haus auch auf den Utlanden.
Den größten Teil des Bodens nehmen festgestopft bis unter die Rohrschauben die Heuvorräte ein, der einzige Ernteertrag, den die Halligen bei ihren zu jeder Jahreszeit vorkommenden Überschwemmungen liefern können. Das Heu wird so fest eingelegt, daß es das Dachgerüst stützen hilft und zum Gebrauch mit scharfen Spaten abgestochen wird. Der übrige Theil des Bodens beherbergt Kisten und Kasten und vor allem Wintervorräte für den Haushalt, die im Herbst von Husum und Wyk auf Föhr für mehrere Monate beschafft werden müssen, weil mit Beginn der Eisbildung auf den Watten die Halligen so gut wie von jedem Außenverkehr abgeschnitten sind.
Das Innere eines Hallighauses in seiner ganzen Behaglichkeit hat in letzter Zeit Jacob Alberts in mehreren Ölgemälden dargestellt; seine Studien und ausgeführten Bilder waren 1894 der Gegenstand einer besonderen Ausstellung in Kiel, seit welcher sich sein bekanntestes Bild, der Königspesel auf Hooge, im Museum daselbst befindet. Das erste Heft des Jahrganges 1895 der »Graphischen Künste«, hat vortreffliche Reproduktionen seiner Arbeiten gebracht, auf die hiermit hingewiesen sein möge. In einem späteren Aufsatz sollen die wichtigsten Stücke der bisher erworbenen inneren Ausstattung besprochen und in Abbildungen vorgeführt werden. Vielleicht tragen diese Anregungen dazu bei, dem Museum in seinen Bemühungen um die Aufstellung eines friesischen Zimmers nebst Küche materielle Unterstützung zu verschaffen, deren es bei der raschen Verschleppung der letzten alten Ausstattungsstücke in die Häuser vermögender Sammler und bei der Kostspieligkeit des Erwerbes wie des Transportes dringend bedarf. Was im Privatbesitz sich ziemlich zwecklos verbirgt, würde im germanischen Museum den Tausenden von Besuchern aus allen Teilen Deutschlands zur Freude und Belehrung zugänglich sein.
Nürnberg.
Dr. Eugen Traeger.
Dürer.
Kleine Mitteilungen.
Nach Lochner’s Darlegungen im Korrespondenten von und für Deutschland, 1858, Nr. 421, nimmt man allgemein an, daß der Schwiegervater des älteren Albrecht Dürer Hieronymus Holper geheißen habe, und nicht Haller, obgleich alle uns erhaltenen Abschriften der Familienchronik die letztere Lesart aufweisen. Es ist nicht zu leugnen, daß Lochners Hypothese große Wahrscheinlichkeit für sich hat, andererseits aber nicht zu vergessen, daß zwingende Beweiskraft dem von ihm beigebrachten Material nicht innewohnt, daß sehr wohl ein tückischer Zufall hier sein Spiel getrieben haben kann. Es liegt mir fern, diese an sich nebensächliche Frage zum Gegenstande einer eingehenden Untersuchung zu machen, sondern ich möchte nur einiges Material über die Verwandtschaftsverhältnisse von Dürers Schwiegereltern beibringen, die zu allerhand Vermutungen Anlaß geben. Hans Frey, Dürers Schwiegervater, war vermählt mit Anna, Tochter Wilhelm Rumels und dessen Ehefrau Kunigund, geb. Hallerin oder Münzmeisterin von Bamberg, Schwester von Anton Haller, Genannten und Richter zu Wöhrd. Die Familie Frey war also zweifellos mit einer Nebenlinie der Haller verwandt. Ist das gleiche auch mit Dürer der Fall, dann erscheint die immerhin auffallende Thatsache, daß der begüterte und angesehene Hans Frey sich für seine Tochter um den jungen Malergesellen bewirbt, in ganz anderem Lichte: die Familien waren bereits durch verwandtschaftliche Bande mit einander verknüpft und es herrschte demgemäß ein vertrautes Verhältnis zwischen ihnen, das einen solchen Schritt erklärt. — Gehörte auch Johann Haller aus Rothenburg o. d. T., der Schüler Kobergers, der 1491 das Bürgerrecht in Krakau erwarb und dort eine Druckerei gründete, zu dieser Verwandtschaft? Hat er vielleicht Dürers, des jungen Verwandten, Wanderschaft beeinflußt, so daß Burckhardt mit seiner Annahme von Dürers Aufenthalt in Krakau Recht hätte?
Der Entwurf zur Widmung der Befestigungslehre (Dürers schriftlicher Nachlaß S. 201) befindet sich noch auf dem städtischen Archiv zu Nürnberg (D. 394-397) und stammt, wie Campe richtig angibt, von Pirkheimer.