Leider ist das Querner Frontale mit Farbe dick überstrichen. Der Grund der Aureole, sowie der Bogennischen ist blau. Die Figuren sind nochmals übergoldet. Die Flächen über den Bögen zeigen ein Braunrot, darin sind die architektonischen Gebilde in den Zwickeln von hellerem Braun, unter dem ein grüner Anstrich liegt, mit vergoldetem oberen Teil. Die Ornamentstreifen sind dunkelgrün mit Ausnahme eines links von der Aureole durch ein glückliches Geschick dem Anstrich entgangenen Stückes und des durchbrochenen vergoldeten Ornamentsstreifens in der inneren Abschrägung der Aureole. Die Säulen sind rot und weiß marmoriert und, wie die Innenfläche der Aureole, durch einen schwarzen Streifen eingefaßt. Kapitäle und Basen sind übergoldet. In den Bogennischen hat man ohne Verständnis für die Bedeutung der Bogenstellung den Boden mit gemaltem Pflanzenwuchs bedeckt. — Die wenig schöne Bemalung könnte etwa aus der Zeit stammen, in der man das Antemensale mit den schlecht gemalten Flügeln versah und zum Schreinaltar umbildete. — Eine weitere gewaltsame Umbildung muß der Altarvorsatz auch insofern erlitten haben, als man ihm eine neue Unterlage, entschieden vor der Zeit seiner letzten Bemalung gab. Die einzelnen unregelmäßig geformten Platten sind offenbar nicht mehr auf der ursprünglichen Holzunterlage; sie sind nicht, wie es in der Entstehungszeit der Querner Tafel geschah, mit Kupfernieten, sondern mit groben geschmiedeten Nägeln befestigt. — Jede Figur ist aus einer Platte für sich gearbeitet, die ausgetriebenen Formen wurden, um dem durch die Bearbeitung dünn gewordenen Kupfer Halt zu geben, mit einer Art Harz ausgegossen. Diese Füllungsmasse scheint stellenweise verloren gegangen zu sein, wie der eingedrückte Kopf des Salvators vermuten läßt. Die die Figur umrahmenden Platten sind einfach übergenagelt und zwar zum Teil so unachtsam, daß ein Stück der Figuren verdeckt wird, so der obere Rand des Nimbus bei dem geflügelten Menschen und dem Apostel im erstem Bogen links. Die Platten, aus denen die Taube und das Lamm gearbeitet sind, zeigen deutlich die schräg abgeschnittenen Ränder. An einigen Stellen lassen die nicht ganz zureichenden Metallstücke den Holzuntergrund sehen. — Die Säulenkapitäle und Basen sind auf die über einen runden Holzstab geschlagenen Säulen mit geschmiedeten Nägeln leicht befestigt. Die verschiedene und nicht im regelmäßigen Wechsel angewandte Form derselben legt den Gedanken nahe, man habe die glatten Kapitäle und Basen später, als man das romanische Ornament der Erhaltenen nicht mehr verstand, zur Ergänzung der etwa verloren gegangenen Kapitäle und Basen hinzugethan. Doch zeigen auch andere nordische Frontale, so das norwegische im Museum zu Bergen, denselben unregelmäßigen Wechsel zwischen glatten und ornamentierten Stücken. — Spätere Zuthat dagegen ist unzweifelhaft der Ornamentstreifen der inneren Abschrägung der Aureole. Er zeigt in durchbrochener Arbeit ein romanischen Stil imitierendes, von der Feinheit der Ornamente auf den anderen Streifen weit entferntes, übergoldetes Ornament auf schwarzem Grund. — Alles übrige ist ursprünglich und echt. Ein Zweifel könnte höchstens bezüglich des nicht gestrichenen in seinem alten Glanze erhaltenen Ornamentsstreifens links von der Aureole entstehen. Doch ergab die Untersuchung, daß das Metall dem bei den echten Teilen des Frontale verwandten Material gleich sei.
Nürnberg.
Gustav Brandt.
Geschnitzte friesische Thüren im germanischen Museum.
(Mit 1 Lichtdrucktafel).
Im letzten Heft 5 unserer »Mitteilungen« hatten wir das speziell auf den Halligen übliche nordfriesische Haus kennen gelernt, woran wir nunmehr die Schilderung einiger in unserem Besitze befindlichen Einrichtungsstücke schließen, die im gegebenen Zeitpunkt bei der Ausstattung eines friesischen Zimmers Verwendung finden sollen. Das Glanzstück derselben bilden zwei geschnitzte eichene Stubenthüren, das bedeutendste Profanaltertum, welches die Halligen bargen und welches sich eines nicht geringen Rufes erfreute. Die Thüren stammen von Nordmarsch, der Schwestergemeinde der Hallig Langeneß-Nordmarsch, einer Insel, die lange Zeit durch einen mächtigen Schlot (Graben, der mit der See in Verbindung stehend an Ebbe und Flut teilnimmt) in zwei annähernd gleiche Hälften getrennt war. Das Haus, welches sie schmückten, war eines der ältesten Halliggebäude vom Anfang des 18. Jahrhunderts, in welchem sich vortreffliche Wandkacheln und manches wertvolle Möbelstück befanden, woraus insgesamt geschlossen werden darf, daß es sich von Anfang an eines behaglichen Wohlstandes erfreut habe. Die in die Thüren eingeschnitzten Inschriften bilden den Beweis, daß sie in die Blütezeit des Halligwohlstandes zurückzudatieren sind, von dem ich in meinem vorigen Aufsatze sprach. Das Haus sah ich bei meinem Halligbesuch im Jahre 1893 noch vollständig eingerichtet, aber rettungslos dem Untergang geweiht, weil die Werft, auf der es stand, die Peterswerft, schon damals in gefahrdrohender Weise vom Wasser zerstört war, so daß sie in den heftigen, andauernden Orkanen der beiden folgenden Jahre demselben Schicksal verfiel, wie schon so viele Halligwerften: dem völligen Zusammenbruch und Hinabgleiten in die tobende Brandung schwerer Sturmfluten.
Die beiden Thüren, die wir mit A und B bezeichnen wollen, befanden sich als Pendants in einem ziemlich kleinen Wohnzimmer von ungefähr 3-3½ m. Tiefe und Breite und kaum 2½ m. Höhe. Vom Flur aus betrat man es durch die Thür A, während B in eine Kammer führte. Das Haus war feucht, weshalb die Flächen der vier größeren Thürfüllungen in der Mitte, die geschnitzten Rahmen an den oberen Ecken auseinandergeborsten sind, die Bretter der anschließenden Holzwände aber Spuren von Vermoderung erkennen lassen, während das Eichenholz der Thüren selbst der Fäulnis Widerstand zu leisten vermochte. Sie sind ein Produkt der in ganz Friesland geübten Liebhaberkunst des Holzschnitzens, zu deren Ausübung auf unseren Inseln der sehr geringe Verkehr mit dem Festlande beigetragen haben mag, wodurch die Bewohner darauf angewiesen waren, viele Gebrauchsgegenstände selbst zu verfertigen, und die Vertrautheit mit der Holzbearbeitung, wie sie bei der Ausübung des Schiffzimmermanns-Gewerbes erforderlich ist. An Holz selbst aber gebrach es trotz des mangelnden Baumwuchses auf den Inseln nicht, man fand es an allen Sandplatten und Inselgestaden als Strandgut, das früher noch häufiger gewesen sein muß als jetzt, wo Leuchttürme und ein ausgebildetes Warnungssystem die Schiffe von den gefährlichen Untiefen fernhalten. Daß kein Berufsschreiner sie angefertigt habe, scheint mir schon aus den nicht ganz übereinstimmenden Maßen hervorzugehen, denn der Thürflügel A hat eine Höhe von 187.5, B von 189 cm., die geschnitzten Rahmenleisten der letzteren außerdem auf der Angelseite 200, auf der Schloßseite 202 cm. Höhe, wie auch sonst noch kleine Unregelmäßigkeiten festgestellt werden können, z. B. in der Breite der geschnitzten Rahmenflächen, die bei A 10, bei B 9-9,3 cm. beträgt, u. s. w.
Jede Thür hat eine Breite von 82 cm. und ist durch eine doppelt überschobene obere und untere und eine schmale einfach überschobene Mittelfüllung gegliedert, die also auf der Rückseite aus der übrigen Fläche hervortreten. Die eigentlichen Bilder der oberen und unteren Paneele von A und B haben je eine dreifach zusammengesetzte Umrahmung, bestehend aus einem immer wiederkehrenden, überaus steif stilisierten Pflanzenornament mit phantastischen großen roten Blumen in Breite von 8 cm. zwischen zwei Kehlstoßleisten, die der doppelten Ueberschiebung entsprechen. Das obere Paneel von A zeigt in 34,2:34,6 cm. zwei ganz symmetrische Säulenhallen mit roter Stoffdraperie. Unter der linken Halle sitzt der Evangelist Matthäus auf einem hochlehnigen Polsterstuhl; vor ihm kniet ein Engel und hält ihm das Evangelienbuch, in welches er schreibt, ihm zur Linken steht ein Tisch mit blumenerfüllter, schlanker Amphora. Unter der rechten Halle sitzt Markus hinter einem gotischen gedeckten Tisch auf einem Bänkchen mit schwellendem Polsterkissen. Auf dem Tische steht ein kleines Schreibpult mit dem Evangelienbuch, vor welchem der Apostel, in tiefes Nachdenken versunken, sitzt, die Feder in der Hand. Vor dem Tisch steht der Löwe und blickt zu seinem Herrn empor. Oben mitten zwischen beiden Säulenhallen erblicken wir die Taube des heil. Geistes in einem Strahlenkranze, wie auch die Häupter der Evangelisten von einem goldenen Heiligenschein umgeben sind.
Die Mittelfüllung besteht aus einer oblongen, glatten Kartusche mit dem in Oelfarbe aufgemalten Namen Ebeneser; umrahmt ist letztere von einem horizontal 4, vertikal 8,5 cm. breiten geschnitzten Pflanzenornament von nicht ungefälligem Schwung in zierlicher Spätrenaissance, das sich in seiner freieren Anmut vorteilhaft abhebt von den übrigen steifstilisierten Ornamentschnitzereien. Die Dimensionen des so bearbeiteten Paneels sind 18:56 cm.
In der unteren Füllung tritt aus seiner Umrahmung ein Vollschiff heraus, das mit geschwellten Segeln, wehender Flagge und Wimpeln durch die Wellen streicht, wahrscheinlich der Walfischfänger, dessen glücklichen Reisen der Verfertiger der Thüren als eifriger Teilnehmer seinen Wohlstand verdankte. Möven umflattern das stolze Fahrzeug, dessen gedrungener, fester Bau sehr wohl geeignet erscheint, den Gefahren des Eismeeres zu trotzen. Die Friesen lieben es noch heut, Bildnisse von den Schiffen zu besitzen, auf denen sie gefahren sind, man findet sie als Zeichnungen, Gemälde, Reliefschnitzereien und zierlich gearbeitete Modelle in allen Häusern, sogar als Kachelkompositionen, wie wir früher gesehen haben. Daß wir es hier mit einem Walfischfänger zu thun haben, dessen blau-weiß-rote Flagge auf Schleswig-Holstein hinweist, ersehen wir aus den Inschriften, die in die oberen Querleisten des äußeren Thürrahmens eingeschnitten sind, und zwar auf jedem die Hälfte eines mißlungenen Verses: