"Zeit dass sie was lernen…", fügte ein anderer hinzu, "…jung übt sich was ein Meister werden will…" und alle lachten. Doch das gefiel dem Wirt nicht. Er erhob Einspruch: "Niemand ohne Zimmer geht nach oben!" Dann eilte er Juan nach und erwischte den gerade noch beim Ärmel. Er zog ihn die Stiege herunter und schwang ihn auf das Parkett, auf dem Juan noch zwanzig Fuss gleitete und gerade vor Billy zum Stoppen kam.

Dann plötzlich ein Schuss, und der schwere Leuchter kam von der Decke gesaust und stürzte gerade auf Juan's Schulter, der darunter lag.

"Au" schrie Juan.

"Ruuuhe maaal!" kam da eine hohe aber laute und ruhige Stimme von der Bar. Es war der Schütze, ein Mexikaner. Der konnte wohl schiessen. Das war kein leichtes Stück den Leuchter so zu amputieren.

Es war plötzlich totenstill im Saloon. Der Mexikaner kam mir bekannt vor, und dann half er mir ein Bisschen. "Ich bin Peeedro Escobaaar—ihr habt von Peeedro gehööört—und Peeedro möööchte sein Diiinner in Ruhe eeessen. Verstaaanden! Soll einer hier Peeedro ääärgern, weiss sich Peeedro zu weeehren." Dabei wanderte er hinüber bei der Treppe vorbei, so als um sich gut zu platzieren. Er gestierte mit beiden Händen beim Sprechen. Das sah gefährlich aus, den man wusste nie wo sich seine Hände hin bewegten.

"Du verdammtes, gelbhäutiges Hurensöhnchen, was mischt du dich da ein." Billy hatte den Satz kaum zu Ende gesprochen, da sauste die Kugel auch schon an seinem Kopf vorbei und nahm ein bisschen Haut und Haare mit. Jetzt verstand ich warum Pedro auf die Treppe zugegangen war. Er hatte sich so plaziert dass seine Kugel nur Billy treffen würde, sonst aber ohne Schaden in die Wand ging wo niemand sass. Den er wollte niemand umbringen, nein nicht einmal Billy. Er wollte ihm nur eine Lektion erteilen. Deswegen der Streifschuss.

Ich wusste nicht dass Pedro Escobar so genau schiessen konnte. Ich wusste nur dass er schnell war. Billy schien ihn nicht zu kennen, sonst hätte er es wohl gelassen. Er hätte aber wirklich sehen sollen, dass er Pedro nicht gewachsen war.

Die anderen vier Burschen die mit Billy in den Saloon gekommen waren, und anfangs ihres Sieges sicher gewesen waren, schienen jetzt nicht mehr so sicher zu sein. Wie sie sich zu Beginn um Billy herumgeballt hatten, so entfernten sie sich nun ganz allmählich. Aber Billy war noch nicht fertig. Er war ein Narr. Er zog. Pedro schoss ihm den Colt geradewegs aus der Hand. Dabei hatte Billy Glück. Seine Hand wurde nicht getroffen. Jetzt versuchte er es auch noch links. Diesmal war er nicht so glücklich. Die Kugel traf den Colt und seine Hand. Dann verschwanden die beiden. Billys hielt seine Hand und seinen Kopf und Juan seine Schulter. Also nicht mehr so stolz, ein bisschen demütiger sahen sie jetzt aus. Das war der einzige Vorteil für Billy und Juan an dieser Angelegenheit. Denn Demut ist immer besser als Stolz.

Die Ruhe war wieder hergestellt. Es hatte nur einen Mann wie Pedro Escobar gebraucht. Der kleine, dünne, jetzt etwa fünfundfünzig Jahre alte Mexikaner war nicht zu unterschätzen. Ich aber rannte hinaus. Ich fühlte mich wie ein Narr. Ich hatte meine Familie möglicherweise gerade in die Hände der draussen wartenden Halunken geschickt. Ja, ich konnte nicht wissen dass Pedro Escobar die Gefahr abwenden würde. Ob es die blinde Indianerin wohl geschafft hätte.

Ich rannte hinaus. Und wieder stolperte ich fast über sie, denn jetzt sass sie ausserhalb des Saloons.