"Mach dir keine Sorgen um uns, Josh—kümmere dich nur um dich selbst.—ich will dich nicht verlieren!" sagte Julia mit zitternder Stimme.
Nur meine Mutter, die mit uns wohnte, war nicht aufgewacht. Sie war siebzig Jahre alt, doch schlief sie sehr gut.
Dann galopierte ich weg. Nach Süden. Denn ich würde nicht geradewegs nach Kanada reiten. Zuerst musste ich über den Rio Grande, nach Mexiko. Und das so schnell wie möglich.
Als ich dahinritt ging mir die Abschiedsszene nochmals durch den Kopf. Sogar in einer solch kurzen Szene zeigten sich doch der Charakter meiner Frau und Kinder. Alle waren sehr zuverlässig. Das verlangte ich von meinen Kindern von sehr früh an. Wie froh war ich jetzt, dass ich hart mit ihnen gewesen war.
Julia und Jack waren beide sehr starke Persönlichkeiten. Man konnte sie nicht leicht in etwas hineinreden. Sie machten nichts was sie nicht wollten. Sie mussten ihren eigenen Weg gehen und ihren eigenen Raum haben. Das war manchmal schwierig für mich. Meine Frau zum Beispiel trug nie Frauenstiefel, weil sie unbequem waren. Man konnte ihr sagen was man wollte, sie trug ihre Mokasins, von Indianern gefertigt. Und obwohl sie hervorstach, und die argwöhnischen Blicke der Frauen im Dorf auf sich zog, bevorzugte sie das. Das machte mir manchmal zu schaffen. Sie wollte einfach nicht "normal" sein, so wie jeder, und sich einfügen.
Jack, der wollte keine Brandzeichen auf unsern Rindern, weil er glaubte dass es ihnen weh täte. Wenn ich es tun wollte, fing er an gegen mich zu kämpfen. Wir sprachen darüber, und ich konnte ihn nicht davon abbringen. Alle Vernunft half nichts. So einigten wir uns dass wir ein kleines rundes Loch aus ihren Ohren schneiden würden, um sie zu identifizieren. Jack sah das etwa so, wie die Löcher für Lisas und Saras Ohrringe. Es war ok.
Lisa, die jüngere war sehr sprudlig aber immer etwas zerstreut. Sie sprach am Meisten in der ganzen Familie. Sie liebte das Schauspiel und die Musik. Sie liebte Humor. Brachte uns immer zum Lachen. Es machte ihr gar nichts aus wenn Leute über sie lachten. Während es jemand anders scheniert hätte, empfand sie es als Spass.
Sarah war mir am Ähnlichsten. Sie war sehr organisiert. Ein tiefer
Denker. Sehr intelligent. Scheu zwar und zurückgehalten, aber kein
Feigling. Eine tiefe innere Glücklichkeit und Zufriedenheit schien durch
ihr Gesicht. Das machte sie sehr attraktiv.
* * *
Ich war zum Rio Grande gekommen und schwamm hinüber, mein Pferd am Halfter führend. Das Wasser war trüb wie immer und warm. Ich hatte es bis Mexiko geschafft, aber sicher war ich noch nicht. Sie konnten mich hier zwar nicht verhaften. Aber sie konnten mich holen und illegal wieder über den Rio Grande zurückbefördern und dort verhaften. Oder schlimmer, sie erschossen mich und nahmen mich tot zurück. Das wäre den Kings sicher am Liebsten gewesen, dann hätten sie einen Sündenbcok, der nicht mehr sprechen konnte. Trotzdem fühlte ich mich besser jetzt, und sprach ein Dankgebet. Gott hatte mir geholfen, wie erwartet.