Ich machte keine Rast, sondern ritt tagelang bis Santa Cruz, wo ich mich dann wieder über die Grenze zurück wagte. Lisas Essen reichte für fünf Tage. Sie hatte mir Brot und geräuchtes Rindfleisch, Mandeln und dedörrte Aprikosen gepackt. Dann ging ich zweiundzwanzig Tage ohne Essen. Ich wollte nirgends gesehen werden.
Sara und Lisa hatten alles mögliche in meine Satteltaschen gepackt: eine Decke, frische UnterWäsche, Taschentücher, Feuerzeug, eine kleine Ax, einen Kamm, Zahnbürste und ein paar Frauen Sachen: Faden und Nadeln, einen Waschlappen, ein Handtuch, Seife und sogar eine kleine Flasche Perfum mit einem kleinen Zettel darumherumgewickelt. Darauf stand: "Wenn du dieses Perfum riechst, dann wird es dich an mich erinnern, lieber Dad. Geh sparsam damit um. Deine Lisa." Wie süss! Sie mussten mich erwartet und alles vorbereitet haben.
Zwei Jahre schlug ich mich dann in New Mexiko und Arizona herum, Suchte
Gold hier und dort, fand am Anfang aber nicht viel. Mein Geld reichte aus
für einfache Kost, die ich selbst kochte. Die Jagd fügte einige
Leckerbissen hinzu. Ich schlief immer draussen.
Gold gab es in diesem Land schon, man musste es nur finden. Man konnte an vielen Orten Goldstaub finden, solange man am richtigen Ort schaufelte. Etwa auf der Innenseite einer Flussbiegung, oder hinter grossen Steinen im Fluss. Es war aber harte Arbeit und viel fand man meistens nicht.
Doch dann, eines Tages, es war Oktober oder November, ich erinnere mich nicht mehr genau, ritt ich in ein Bergtal hinein und folgte dem Fluss, der das Tal geschaffen hatte. Für die Grösse des Tals hätte er mehr Wasser haben sollen. Doch es war eine trockene Gegend. Ich folgte dem Fluss und brauchte meine Goldpfanne hie und da, nur so zum Sehen ob ich etwas fände. Aber es gab nicht viel. Wahrscheinlich war ich nicht der Erste hier.
Dann hörte ich hoch oben in den Felsen plötzlich einen Puma fauchen. Und dann sah ich ihn auch. Er war gut getarnt. Ich hätte ihn nie gesehen, wäre er still gewesen. Neben ihm lag seine Beute, eine Maulhirschkuh. Und jetzt sah ich, warum er gefaucht hatte. Da war noch ein Puma, den ich zuerst gar nicht gesehen hatte. Sie stritten sich also um die Beute. Sie musste auf der Grenze ihrer Reviere liegen.
Ich liebte die Natur und wollte mir das Schauspiel näher ansehen. So ritt ich im Schatten eines vertikalen Grats die Felsen hinauf. Bald kam ich näher. Beide waren Prachtsexemplare. Sie stritten sich noch immer. Dann kam es zu einem Kampf. Noch nie hatte ich solche Schnelligkeit gesehen. Sie balgten sich, sie drehten sich. Es dauerte nur zwei Sekunden. Dann wars vorbei. Der Verlierer schlich sich weg, mit einer blutenden Schramme am Genick. Der Sieger fing an zu fressen. Ich würde ihn nicht stören.
Mittleweile war ich an einen kleinen Bergbach gekommen und ich dachte, da ich schon hier oben bin, versuch ich mein Glück. Tatsächlich fand ich ein kleines Nugget, etwa erbsengross. Ich folgte dem kleinen, kurzen Bach in die Höhe and fand noch eins, haselnussgross. Dann keine mehr. Ich nahm Notiz, wo ich das letzte gefunden hatte, und suchte nun diese Gegend sorgfältig ab. Dann fand ich sie, eine kleine Goldader in einer kleinen Höhlung. Da gabs noch mehrere Nuggets, die am Boden lagen. Ein starkes Gewitter könnte leicht einige in den Bach tragen, wo ich sie erst gefunden hatte. Ich sammelte alle Nuggets und kratzte die Goldader mit dem Messer aus dem Felsen, bis nichts mehr übrig blieb.
Dies würde ein schönes Stück Geld bringen. Genug bis Kanada, falls ich sparsam damit umging. Aber vieleicht konnte ich es mir jetzt leisten, mal im Saloon zu schlafen, und ein heisses Bad zu geniessen. Im Fluss baden—was ich bis jetzt getan hatte—war alles andere als heiss.
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