Ich zögerte, ich wollte nicht der Erste sein der zog. Ich wollte niemanden erschiessen. Ich hatte noch nie jemandem etwas angetan, geschweige denn jemand getötet. Doch ich wollte nicht zum Sheriffs Haus. Ich war unschuldig. Diesem Steckbriefjäger ging es nicht um Gerechtigkeit, nur um das Geld. Es kam ihm nicht darauf an, ob jemand unschuldig war.

"Ich bin unschuldig. Bitte glaub es mir, Bradley Black."

"Das sagen sie alle, Mister. Wenn du unschuldig bist, brauchst du keine
Angst zu haben, zum Sheriff zu kommen."

Das hatte ich gedacht. Er wollte nur sein Geld. Ich nahm meinen ganzen Willen zusammen und zog so schnell ich konnte. Er war bereit. Er war viel schneller als ich. Doch sein rechter Revolver klemmte. Aber er war mit seinem linken noch schneller als ich. Seine Kugel streifte meine Schläfe. Die zweite die Stirn. Dann traff ihn meine Kugel—ins Herz. Er schoss noch zweimal. Die dritte Kugel streifte meine rechte Wange, die vierte meine linke. Er war tot. Ich lebte, aber mein Gesicht war eine blutige Masse.

Mit seiner Linken war sein Ziel nicht so gut wie mit der Rechten. Ich hatte Glück gehabt, aber ich wusste es nicht. Ich wartete auf meinen Tod. Denn ich konnte nicht sehen, wo er mich genau getroffen hatte. Nur jedesmal wenn ich mein Gesicht berührte, waren meine Hände voll Blut.

Dann kam er auch schon angetritten. Brett Black. Als er sah, dass sein Bruder verloren hatte, stieg er weit entfernt ab. Er glaubte keine Chance zu haben gegen einen, der es mit Brad aufgenommen hatte. Er starrte mich an. Er schien eine Ahnung zu haben, was geschehen war, als er meine Wunden sah. Trotzdem getraute er sich nicht näherzukommen.

Ich musste weg. Ich stieg aufs Pferd und raste weg. Meine Wunden schmerzten. Mein Kopf schmerzte. Meine Seele schmerzte. Blut tropfte in meine Augen, so dass ich bald kaum sehen konnte. Ich ritt in die Berge zurück. Zum kleinen Bach. Zum kleinen Bach, wo ich Gold gefunden hatte. Dort verbarg ich mich. Ich verbarg mich in einer abgelegenen Höhle, samt meinem Pferd.

Ich legte mich hin und ruhte, ruhte lange und dachte nach. Ich fühlte als ob Gott mich verlassen hätte. Er hatte mich vorher beschützt. Warum nicht dieses Mal. Er hätte sicher die Macht gehabt, diese Kugeln ein Bisschen abzulenken, der Allmächtige. Warum hatte er das nicht für mich getan. Oder war er böse, dass ich zuerst gezogen hatte. Hatte ich ihm nicht genug vertraut, und die Dinge in meine eigenen Hände genommen?

Ja, ich hätte ihm mehr vertrauen sollen und ich sollte ihm jetzt mehr vertrauen. Er dachte anders als Menschen. Er wusste viel mehr und er konnte die Zukunft sehen. Wer weiss ob das nicht noch seine gute Seite haben würde.

Und wahrhaftig, es hatte seine gute Seite. Denn als meine Wunden heilten, mit riesigen Narben, wurde mein Gesicht entstellt. Ich war nicht mehr zu erkennen. Ich brauchte keinen Steckbriefjäger mehr zu fürchten, ausser Brett Black natürlich, der wohl ahnen konnte wie mein Gesicht heilen würde. Aber auch er konnte nicht genau wissen wie ich jetzt aussah. Er hatte mich nur für einen Moment gesehen, und das mit meinen Wunden, nicht meinen Narben.