Ich sah nicht mehr wie der alte Josh aus. Ich war hässlicher geworden.
Aber auch zäher, und meine Zähheit hatte ihre Schönheit.
Zuerst war es hart zu ertragen, hässlicher auszusehen. Ich war deprimiert. Aber ich wurde auch demütiger. Ich war Stolz gewesen auf mein gutes Aussehen. Dieser Stolz war weg. Wie ein Balast, weg. Und das war gut. Ich sah, dass Schönheit vergänglich ist, und dass ein Mann auch wenn er hart versucht, eben sein Leben doch nicht ganz in der Hand hat. Es ist gut demütig zu werden. Denn wer zu sehr auf sich selbst vertraut, wird am Ende von sich selbst entäuscht.
* * *
So langsam zog es mich auf unsere Ranch zurück. Ich wollte meine Familie sehen, mich erkunden, wie es ihnen ging. Ich musste vorsichtig sein, so geheim gehen wie möglich. Niemand würde mich jetzt erkennen, das war klar, aber man kann nie vorsichtig genug sein. Ein falsches Wort und man könnte sich verraten. Wenn mich jetzt jemand erkannte, dann war ich nachher leicht zu finden, mit meinen Narben. Ich trug sogar meine Brille.
Ich wusste dass meine Mutter die Frau des verstorbenen Bäckers besuchte und zwar jeden Sonntag Nachmittag. Am Anfang war es gewesen, um ihr Trost zu spenden, dann waren sie gute Freunde geworden. Es war klar, dass die Bäckers Frau nicht glaubte, dass ich den Bäcker umgebracht hatte, sonst hätte sie meine Mutter nie akzeptiert. Jeden Sonntag also, nach dem Mittagessen, fuhr meine Mutter mit ihrer eigenen Kutsche in das Dorf. Ich lauerte an einer abgelegenen Stelle.
Ich sah sie von weitem kommen. Dann ritt ich ihr langsam entgegen. Sie hielt den Wagen an und sagte : "Sie haben sich wohl verirrt, Fremder?"
"Nein, hab ich nicht—ich bin's, Josh Custer, Mutter!"
"Bist du das Josh. Oh, du siehst aber anders aus. Komm mal her." Sie nahm mich in ihre Arme und küsste mich. Ich hatte das Gefühl als musterte sie mich dabei genau um sich zu vergewissern, dass ich es wirklich war. Nach einigem Zögern, schaute sie dann doch mein Hemd hinunter, um das Muttermal zu sehen. Als sie es fand, wurde ihre Stimme weicher: "Wer hat dich den so zugerichtet." "Mutter ich hab nicht viel Zeit. Es ist viel zu gefährlich. Ich will wissen wie es euch geht und was ihr plant. Dann hau ich ab. Du must mir versprechen, dass du weder mit jemand über meinen Besuch redest, noch jemandem verrätst wie ich jetzt aussehe."
"Gut Sohn, werd ich. Aber Julia wird sich freuen. Sie liebt dich immer noch."
"Ich meine du darfst es ihr auch nicht sagen, auch den Kindern nicht! Niemandem! Das würde sie und mich in Gefahr bringen. Wenn sie nicht weiss dass ich hier war, kann es niemand aus ihr herausbringen. Und wenn sie mich nicht kennt, dann wird sie auch nicht wissen, wenn ich nächstes Mal hierherkomme um zu spähen. Ihre Augen werden mich nicht verraten können. Niemand glaubt das ich noch lebe, weil mich schon solange keiner mehr gesehen hat. Wenn jemand erfährt das ich noch lebe, könnte er meine Frau kidnappen, um mich zu zwingen, sie rauszuholen. Aber wenn nicht einmal meine Frau glaubt, dass ich noch im Land bin, dann wird jeder annehmen, dass ich tot bin. Und dann auch: Wenn meine Frau weiss dass ich hier bin, wird sie mich suchen kommen. Es ist besser, wenn sie mich in Kanada suchen geht. Du auch, du darfst dich nicht glücklich zeigen, dass du mich gesehen hast. Du musst schweigen, wie das Grab. Würde ich dich nicht kennen, wäre ich nie gekommen. Aber ich weiss ich kann mich auf dich verlassen."