"Bye, Sohn, Bye". Sie küsste mich und küsste mich und wollte mich nicht gehen lassen. Die Tränen rollten nur so von ihren Wangen. Es brach mir das Herz. Ich riss mich los. Da fasste sie sich. Ich mich auch. Ich ritt weg.
Wie ich später erfahren sollte, war dies das letzte Mal, dass ich sie sehen würde. Sie starb eine Woche später.
Julia's und der Kinder Spur fand ich in Laredo wieder. Wie ich auch später erfuhr, waren sie in der Nacht weggezogen, in Männer Kleidung, jeder auf seinem Pferd, und Jack und Julia je mit einem Packpferd. Die Kings waren ihnen nicht gefolgt. Die Liebesgefühle hatten sich abgekühlt.
Ich fragte mich warum wohl alles so gekommen war. Warum musste ich meine Ranch verlieren. Warum war ich verleumdet worden. Warum musste ich ein Narbengesicht haben? Doch das Leben ist ein Geheimnis. Ein Schöpfer ist da am Werk, der weiss, was er in uns kreiert. Er beschützte mich im Allgemeinen, doch er ersparte mir nicht jeden Kummer. Er verwöhnte mich nicht, verweichlichte mich nicht. Wir hätten gerne Komfort, doch Charakter kommt nicht durch Komfort. Er arbeitete an mir, so wie ich an meinen Kindern gearbeitet hatte um etwas aus ihnen zu machen. Er demütigte mich, denn er wollte keinen Besserwisser.
Er beschützte mich, doch er war mir verborgen, so wie ich nun meine
Familie beschützte, doch ihr verborgen blieb. Von seiner Sicht sahen die
Dinge anders aus, so wie die Dinge für meine Familie aus meiner Sicht
anders aussahen.
Kapitel 3
Ja so war alles gekommen, dachte ich, und war am "Whiskey Barrel" Saloon angelangt. Und wie würde es weitergehen. War meine Familie in Sicherheit, oder war einer der draussen wartenden Halunken ihnen nachgeschlichen. Man konnte nie wissen.
Doch jetzt war ich von all den Geschehnissen dieses Tages todmüde. Ich wollte mich hinlegen, nur schlafen. Es war um Mitternacht. Ich würde früh aufstehen müssen, meine Familie zu suchen.
Ich ging leise in den Saloon hinein, ich wollte niemanden aufwecken. Doch welche Überraschung. Das Licht war noch an. Auf einer Leiter standen Pedro und der Wirt und hingen den Leuchter wieder an die Decke.
"Dieser Teil kommt da rauf, dann sieht man nicht wie ausgefranst das Stahlkabel ist. Muss ja echt aussehen, wenn er am Boden liegt, so wie wenn eine Kugel ihn zerrissen hätte. Aber hier oben muss er aussehen wie ein normaler Leuchter", sagte der Wirt und setzte fort: "Der Koch wollte die Mechanik gar nicht auslösen, weil Juan gerade unter dem Leuchter lag. Das alles nur, weil Billy den Tisch, der normalerweise hier unten steht, mit seinem grossen Arsch verschoben hatte."