Ich durfte nicht ungeduldig werden. Ich musste weit genug reiten, um sicher zu sein, dass ich Sara eingeholt hatte. Erst dann konnte ich zum Flussufer. Mir war Angst und Bange. Hätte ich Zeit gehabt, darüber nachzudenken, wäre es mir wohl schlecht geworden.
Jetzt. Ich würde es versuchen. Ich bog zum Flussufer ein, sprang ab und rannte durch die Bäume. Ich strauchelte, sprang wieder auf. Da—ich war am Ufer. Da war sie auch schon. Schon weit an mir vorbei. "Sara—Sara?!" Sie kämpfte immer noch. Sie war noch am Leben. "Gib nicht auf!" Sie verschwand von meiner Sicht. Ich war nicht weit genug geritten.
Ich rannte zum Pferd zurück. Ich musste es noch einmal versuchen. Ich nahm einen Satz aufs Pferd. Reiten konnte ich wie niemand sonst. Ich galoppierte los. Ich musste sie einholen…
Jetzt hatte ich lange genug galoppiert. Ich bog nochmals zum Fluss ab, rannte zum Ufer. Ich war bereit hineinzuspringen, sobald sie kam. Doch sie kam nicht. War sie schon vorbei? Oder schlimmer, war sie ertrunken? Ich wartete. Ich durfte nicht zu lange warten oder ich würde sie nie mehr einholen, falls sie schon vorbei war. Aber ich wusste ja nicht. Was sollte ich tun. Ich shrie: "Sara, Sara, Sara!"
Ich hatte lange genug gewartet. Sie müsste jetzt hier sein. Also war sie schon vorbei. Ich musste sie verpasst haben. Ich musste es noch einmal versuchen. Wie weit mochte sie schon sein.
Ich sprang nochmals aufs Pferd und ritt und ritt. Ich trieb mein Pferd gnadenlos an. Es ging mir durch den Kopf, dass ich mein Pferd besser behandeln sollte. Es war auch gefährlich so schnell zu reiten, denn es gab viele Steine und viele Löcher. Mein Pferd strauchelte ein oder zwei Mal. Fing sich aber auf. Es ging mir nicht schnell genug. Ich war durchdrungen von Panik und Selbstvorwürfen.
Jetzt—nochmals zum Ufer. Ich sprang ab und rannte durch die Bäume, dann die Büsche, die hier dichter waren. Ich kam nur schwer ans Ufer. Hier gab es eine lehmige Böschung, überwachsen und ungeeignet um an das Wasser heranzukommen. Ich musste weiter nach unter, dem Fluss entlang. Da, da gab es einen grossen Stein auf den ich von der Böschung springen konnte. Ich sprang und schürfte mein Bein an der scharfen Steinkante. Doch ich beachtete es nicht. Nur zum Fluss wollte ich. Da, ich glitt auf dem besprühten Stein. Fast wäre ich in den Fluss gerutscht. Ich klingte an den Stein mit meinen Fingernägeln. Ich schaute den Fluss hinauf, den Fluss hinunter. Nichts. Zurück, ich muss ein Bisschen zurück, auf den trockenen Teil des Steinbrockens. Jetzt konnte ich Atmen holen. Ich war auf allen Vieren und keuchte.
Ich sah nichts, ich wartete und wartete. Sie kam nicht. Ich schrie "Sara, Sara, Sara!" aus lauter Verzweiflung. Das Getöse des Flusses übertönte meine Stimme. Ich sprang auf die Böschung zurück setzte mich und heulte. Ich war fertig. Ich fühlte mich so machtlos, so klein, so ungenügend. Oh hätte ich sie doch nicht ins Tiefe gehen lassen. Oh hätten wir doch nicht bei diesem reissenden Fluss gehalten. Stuart hätte besser wissen sollen. Oh hätte ich doch… oh hätte ich doch… Kaum war sie von Billy Kane beschützt worden, musste dies geschehen. Es war alles so sinnlos. Warum hatte sie niemand vor diesem Unglück beschützen können. Ich konnte nur weinen.
Kapitel 5
Ich, Griz Custer, fand sie wieder in der Nähe des Raton Passes. Sie waren nicht zu übersehen. Etwa eine viertel Meile vom Pfad entfernt, da sah ich sie auch sitzen. Ich konnte das blonde Haar der beiden Mädchen klar erkennen. Und da war Julia. Obwohl sie Männerkleider trug, war ihre weibliche Form doch deutlich erkennbar. Sie hatten ein schönes Camp gewählt. Steine natürlicherweise in einem Kreis angeordnet, bildeten wie ein Sofa und Höcker und ein grosser Stein in der Mitte konnte als Tisch benutzt werden.