Überhaupt war dies eine prächtige Gegend. Im Nordosten, die Prärie, im Westen die Berge. Gut bewässert, grün bis in den Herbst hinein, verziert mit den zarten Silbererlen, die hier überall an den Berghängen wuchsen. Es war zauberhaft hier. Die Natur war noch unberührt. Aber, kaum zu glauben, nur dreizehn Jahre später würde hier schon das eiserne Pferd, wie es die Indianer nannten, durchpusten. Die Eisenbahnlinie über den Raton Pass wurde 1878 vollendet. Auch dann blieb die Gegend noch eine Weile unzivilisiert, doch die Dinge änderten sich schnell, hier im Westen.

Der Mann, der mit ihnen ritt, wie ich in Taos erfahren hatte, sass bei den
Mädchen. Es schien ein friedliches Bild. Der Mann war also ein guter
Begleiter. Diese Sorge konnte ich aus dem Kopf lassen. Er schien keine
Gefahr für meine Familie zu sein.

Doch da packte mich ein anderer Kummer. Was wäre, wenn Julia sich in ihn verliebt hätte. Ich würde es ihr nicht übelnehmen. Eine Frau so ganz allein und ein gut aussehender, netter Mann, da könnte es eben passieren. Ich hätte auch nichts dagegen, falls sie sich ein Bisschen verliebt hätte. Aber ich hoffte, es würde bei Liebe bleiben. Die beiden küssen zu sehen, könnte ich nicht ertragen. Dann würde ich vielleicht davon reiten, um sie nie wieder zu sehen. Aber das waren ja allzu negative Gedanken. Ich war froh, dass sie alle da waren. Jack zwar hatte ich noch nicht gesehen.

Der Pfad verlief erhöht gegenüber ihrem Camp und ich konnte meilenweit über ihr Camp hinaussehen. Trotz dieser guten Sicht über meine Geliebten wollte ich mich weiter nähern. Dann konnte ich sie genauer sehen und ihnen auch zuhören. Ich wollte aber nicht dass sie mich sahen.

Es gab da einen langen, niedrigen Hügel der sich vom Pfad bis nördlich von ihrem Camp streckte. Dieser Hügel war zwischen den Felsen und Steinen mit Gras bewachsen, doch Bäume gab es keine. Das war gut. Es würde das Reiten einfacher machen. Der Hügel endete an einem kleinen Fluss. Die Ufer dieses Flusses waren dicht mit Silbererlen bewaldet. Der Fluss und dieser Wald zog sich bis ganz in die Nähe ihres Camps. Ich würde mein Pferd beim Hügel lassen und mich dann durch den Wald in ihre Nähe schleichen. Wenigstens ein Weilchen würde ich dort verbringen und mich dann zum Pferd zurückbegeben um selber eine geeignete Campstelle am Flüsschen zu finden. Doch es kam anders, als ich mir vorstellte.

Ich ritt sehr langsam weiter, um alles genau beobachten zu können. Ich musste mir die Landschaft genau einprägen. Von hier aus hatte ich einen guten Überblick. Es gab da noch ein Stück Wald das vom Fluss abwich und ein Wald-Halbinsel bildete. Vielleicht wäre ich dort noch näher zu ihnen.

Jetzt ging der Pfad den kleinen Hägel hinauf um ihn zu überqueren. Ich warf noch einen letzten Blick auf sie und sah nun auch Jack. Jetzt gings die Hügelseite hinunter, die fünf verschwanden aus meinem Blickfeld. Ich verliess den Pfad.

Jetzt konnte ich, ohne dass sie mich sehen würden, auf der Schattenseite des Hügels entlangreiten bis zum kleinen Fluss. Es war schwieriges Gelände mit viel Steinen und Löchern zwischen den Steinen. Ich wollte nicht, dass Flake ein Bein bräche und so stieg ich ab und führte ihn.

Beim Fluss angelangt, tränkte ich ihn erst einmal ausgiebig. Er war sehr durstig und ich auch. Wir ergötzten uns an dem klaren Bergwasser und ich füllte meine Wasserflasche. Dann nahm ich ihm den Sattel ab. Ich band Flake am Stamm einer Silbererle fest. Ich tat das mit meinem Lasso und machte es so lang wie möglich, so dass er in diesem sommerlichen, noch grünen Gras, weiden konnte. Solch gutes Futter hatte er schon lange nicht mehr gehabt.

Ich liess meinen Hut und andere unnötige Dinge beim Sattel, nahm nur meine zwei Colts und machte mich auf. Ich konnte kaum warten um sie von nah zu sehen.