"Oh ja", sie schien sich zu erinnern. "Danke, vielen Dank. Ich wäre ertrunken. Danke, dass sie mich gerettet haben."
"Wie fühlst du dich?" fragte ich. "Oh, gut", sagte sie. "Ich möchte zu meiner Mutter."
Oh Sara, dachte ich, jetzt ist's wohl aus mit dem Halten und Umarmen. Sie wollte ihre Mutter. Sie traute mir nicht so ganz. Doch ich war ein Fremder für sie, sie konnte mich ja nicht erkennen. Ich sollte ihr nicht böse sein. Ich machte noch einen letzten Versuch.
Ich ging zu ihr hin, legte meinen Arm um ihre Schultern und sagte: "Komm, gehen wir zu deiner Mutter." Dabei hielt ich sie nah an mich und half ihr entlang. Doch es schien ihr nicht wohl zu sein in meinen Armen und ihre Muskeln waren gespannt. Nein, es hatte keinen Sinn, ich musste sie loslassen. Ich nahm sie bei der Hand und führte sie. Das liess sie sich gefallen. Doch in der Nähe des Camps war ihr dann auch das peinlich und sie löste sich von mir.
Wir waren auf der Seite des Flusses wo Julias Camp war. Es ging eine Weile, bevor wir ihr Camp erreichten. Sara ging sehr langsam. Sie war immer noch etwas angeschlagen.
Lisa sah uns kommen. Als sie uns bemerkte schrie sie auf: "Sara, Sara du bists. Wo ist den Mama?" Dann starrte sie mich an und ich sah ihre Augen an mir heruntergehen. Besonders meine Unterhosen schienen ihr nicht besonders zu gefallen. Oder waren es meine Beine? "Wer sind denn Sie?", frage sie misstrauisch. "Gibt es in Ihrem Land keine Hosen?" Sobald sie das gesagt hatte, sah sie die Männerkleider an Sara und entschuldigte sich sofort.
"Oh Entschuldigung—sie haben sie ausgeliehen. Das ist aber nett von
Ihnen. Sie können sie gleich zurückhaben." Dabei eilte sie zu den
Packpferden, um Sarah frische Kleider zu holen.
Sara kleidete sich vor mir ohne Hemmungen. Ich bekam meine Hose und Jacke zurück. Sie waren noch immer nass. Ich zog sie trotzdem an. "Kleines Mädchen, hättest du mir nicht eine Decke?" fragte ich Lisa.
"Eine Decke habe ich schon, Mister, aber klein bin ich nicht. Vielleicht sollt ich warten bis Sie das zurücknehmen, bevor ich Ihnen eine Decke hole." Dabei lachte sie und machte sich auf den Weg. Sie brachte mir eine Decke und legte sie sogar liebevoll um meine Schultern. Was für zwei süsse Kinder ich hatte. Sogar mit dreizehn war Lisa reif genug, um über sich selber lachen zu können. Viele lernen das nicht einmal mit vierzig.
Ich hätte mich davon machen sollen, doch war ich nicht bereit die Mädchen allein zu lassen. "Wie heissen Sie denn, meine kleine grosse Dame?", fragte ich Lisa. "Lisa Carter ist mein Name.", sagte sie höflich. Julia hatte sie gut gelehrt. Ich war froh sie gebrauchten nicht den richtigen Namen, denn zum Beispiel die Black Brothers hätten sie erkennen können. Es war zwar nicht wahrscheinlich, dass die Black Brothers meine Familie treffen würden, aber man konnte nie vorsichtig genug sein. Neuigkeiten reisten schnell in diesen Gegenden, und ein unbedachtes Wort konnte einen in Schwierigkeiten bringen.