Jack Cohan lernte das Ziehen von Pedro Escobar. Der schnelle Mexikaner lebte für ein Weilchen in unserem Dorf. Jack nahm Stunden von ihm von seinem Taschengeld. Sein Vater erlaubte es. Es war immer gut seine Ranch verteidigen zu können. Mit der Zeit übertraf Jack seinen Lehrer. Das aber Jahre später, als Pedro Escobar schon lange aus dem Dorf gezogen war. Jack war nun der schnellste in der Gegend und zog weg von der Ranch um Sheriff in Dallas, weiter im Norden, zu werden.
Ja, Jack Cohan war schnell. Er erschoss einmal drei Schurken, bevor einer von ihnen zum Abziehen kam. Es scheint unmöglich zu sein. Und doch ist es wahr. Die Bewegung des Ziehens eines Profis wie Jack Cohan ist so schnell, dass sie von Auge nicht gesehen werden kann. Jack kann also ziehen, schiessen und den Colt wieder ins Holster stecken schneller als unsereiner blinzeln kann. Sogar dann wenn jemand seinen Revolver schon auf Jack gerichtet hat kann Jack noch ziehen, schiessen und treffen bevor der andere abziehen kann.
Dass passierte mit Jose Domingo. Als er das Handgewehr von dreissig Fuss schon auf Jack Cohan gerichtet hatte, da schoss es ihm Jack aus der Hand, noch bevor er den Abzug bewegen konnte. Jack liess ihn leben. Denn Jose war jung und dumm, und Jack Cohan war ein gütiger Mann.
Jack schoss rechts und links, schneller rechts. Das war von Vorteil. Einmal in einem zweiten Duell mit Jose Domingo verklemmte sich sein rechter Colt. Jack hatte noch genug Zeit seinen Linken zu ziehen, bevor Jose abdrücken konnte. Wieder schoss ihm Jack den Revolver aus der Hand. Und wieder vergab er Jose Domingo und liess ihn leben. Aber er warnte Jose: Kommst du ein drittes Mal wird's dein Ende sein. Jose schoss nie mehr auf Jack. Er lernte nichts beim ersten Mal, aber er lernte was beim zweiten Mal. Besser als nie.
* * *
Es war das Jahr 1865. Ja, der Westen war ein wildes Land, in dem nur die Stärksten überlebten. Der Bürgerkrieg war im Osten zu Ende gekommen, und Sklaverei hatte ein Ende genommen. Der Westen aber war noch unzivilisiert und unerschlossen. Zivilisation war bis zum Mississippi vorgedrungen, aber die Prarie war immer noch von sechzig Millionen Büffeln bewohnt. Sie war noch so wild, wie eh und je. Die Indianer jagten die Büffelherden, Antelopen gab es noch von Kanada bis Mexiko und es war keine Seltenheit, Pumas zu sehen. Das Land war noch unberührt.
Erschlossen und für Ansiedler freigemacht wurden diese Gebiete durch die Eisenbahn. Die Eisenbahn war aber erst bis Kansas City vorgedrungen. Zur Zeit wurden Texas Rinder immer noch auf dem Chisholm Trail nach Kansas getrieben. Von dort konnten sie mit der Eisenbahn zu den Märkten im Osten gefahren werden. Das sollte sich erst in zehn Jahren ändern.
In Texas gab es also Ranches mit Rindern, aber die Prärie blieb ungenützt. Sie wurde noch nicht für Weizen gepflügt und war noch nicht zum Brotkorb der Nation geworden.
Als ich so da sass und nachdachte—ich hatte mich inzwischen an einen Tisch
gesetzt—fielen meine Gedanken auch auf die Frau und ihre Kinder. Die
Kinder machten den Eindruck als wären sie wohl erzogen und Prüfungen und
Leid im Leben gewachsen. Sie schienen fast zu reif zu sein für ihr Alter.
Der Junge machte den Eindruck dass man ihn überall gebrauchen konnte.
Der seriöse Ausdruck auf dem Gesicht der Frau fügte zu ihrer Schönheit hinzu. Sie schien eine Frau zu sein, auf die man sich verlassen konnte—in jeder Situation. Sie schien tief zu sein, nicht oberflächlich, mit einem guten Verstand und guter Einsicht, die durch harte Erfahrungen kommen. Sie war nicht verweichlicht, nicht verwöhnt. Sie schien hart und mutig. Auch sie hatte keinen Mucks gemacht als der Schurke ihr Mädchen wegzuschleppen drohte. Warum nicht? Sie schien nicht die Frau zu sein, die ihrer Tochter etwas zustossen liesse, ohne sich zu wehren. Oder war sie es sich gewöhnt von Männern verteidigt zu werden, die ihre Anmut schätzten. Ich konnte diese Fragen nicht beantworten. Ich sollte es können, denn sie war meine Frau und es waren meine drei Kinder. Aber ich kannte sie kaum mehr. Ich betrachtete sie jetzt wie ein Aussenstehender.