Vielleicht war Monika die einzige, die das ganze Studieren als eine Art Spiel auffaßte, die die „Mission“ nicht sehr ernst nahm.

Bei vielen der ernst strebenden Mitschülerinnen erregte ihre Art direkt Unwillen, um so mehr, als sie hier, wie auch früher in der Schule, einen ganzen Troß von Verehrerinnen und Anhängerinnen hatte, die jeden ihrer Witze dankbarst belachten.

Ihre erbittertste Feindin war Magda Kirchstett, ein schlankes, brünettes Mädchen von sechsundzwanzig Jahren. Von allen in der Klasse war sie wohl am meisten von der Wichtigkeit dessen, was man hier tat, durchdrungen. Oft hielt sie flammende Agitationsreden.

„Pioniere sind wir einer neuen Kultur, Schrittmacher für die Tausende von anderen, die nach uns kommen werden. Wir alle müssen durchdrungen sein von dem stolzen Gefühl: mit zu den Ersten zu gehören, die sich frei machen von jahrtausendelanger, alter Schmach. Der Mann hat uns schlimmer behandelt, als man Tiere behandelt. Er hat uns körperlich und geistig gemißhandelt und hat uns ausgebeutet in jeder Beziehung, er hat uns rechtlos gemacht, uns tausendfach gekreuzigt!

Aber der neue Morgen bricht an für unser Geschlecht. Noch sind wir wenige, aber mit brennendem Eifer schmieden wir die Waffen, mit denen wir uns befreien werden. Und diese Waffen sind: Fleiß, unermüdliche Arbeitskraft! Lernen müssen wir — Wissen erlangen, um unserem mächtigen Feinde entgegentreten zu können. Waffen brauchen wir! Und die mächtigste Waffe im Kampfe gegen den Mann ist...“

„Das Küssen!“ schrie Monika.

Magda Kirchstett tat den Mund auf, schnappte nach Atem, aber ehe sie diese Lähmung der Entrüstung überwunden, war Monika auf die Bank gestiegen.

„Meine Damen!“ rief sie mit ihrer hellen Kinderstimme, „die besten Waffen im Kampfe gegen den Mann sind die ältesten Waffen — dieselben, die schon unsere verehrten, gänzlich unmodernen und stupiden Großmütter gebraucht haben: ein bißchen schmeicheln — nein! — sehr viel schmeicheln und lieb sein und küssen! Sie sind ja auch nicht so schlimm, die Männer, wie Fräulein Kirchstett glaubt. Es gibt doch viele riesig nette, und es wäre doch gar zu langweilig, wenn es nur Damen auf der Welt gäbe! Jede von Ihnen, die mal einen Damenkaffee mitgemacht hat, wird mir beipflichten. Darum schlage ich Ihnen einen Toast auf die Männer vor. Wir wollen sie leben lassen. Was? Leben lassen — dreimal hoch! Hoch! und zum zweitenmale...“

Die Tür öffnete sich.

Herein schnaufte Professor Hermann, der dicke Mathematiklehrer.