Manchmal war es ihr, als ob sie ihr Gehirn haßte, das alle anderen Regungen zu verschlingen drohte.
Sie bemühte sich nun, nicht mehr an all die Themata zu denken, die sie in den letzten Monaten so sehr absorbiert hatten.
Mit kindischem Trotze suchte sie alle streng geistigen Regungen in sich zu ertöten.
Dafür ließ sie jetzt ihrer Phantasie die Zügel schießen. Und es war, als ob diese Phantasie, die während der Lernperiode geschlummert, nun mit doppelten Kräften aufwachte; lächelnd nahm die Phantasie Monika bei der Hand und führte sie viel gestaltige Irrwege, auf denen viele schöne Giftblüten wucherten, wildflammende Blüten, die berauschend und betäubend dufteten.
Und Monika spann sich in ihre Phantasien wie die fleißige Seidenraupe, die sich mit ihrem Köpfchen in ein silberschimmerndes, dichtes Gewebe einspinnt.
Der Tadel der Lehrer — die Ermahnungen der Mutter blieben umsonst.
Monika nahm am täglichen Leben wenig Anteil, war zerstreut und faul.
Niemand konnte ergründen, was für Gedanken hinter der niedrigen, weißen Stirn rege waren. Mit der gleichen, fast unheimlichen Konzentration, mit der sie sich erst auf das Lernen gestürzt, widmete sie sich jetzt ihren uferlosen Phantasien. Kein fremder Einfluß vermochte sie dieser Manie zu entreißen — nur sie sich selbst.
Und diese Stunde kam.
Ein Gedanke — sie wußte nicht woher — eine schaudernde Selbsterkenntnis: auch das ist nicht Leben! Nicht nur die Wissenschaft stahl mir die Wirklichkeit, auch meine Träumereien haben nichts mit Wirklichkeit zu tun. Diese Träumereien, die sich alle darum drehen, wie das wohl sein könnte, nicht, wie es wirklich ist!