Monika aber faßte eines Tages einen kühnen Entschluß: sie wollte der Welt die Proben ihres Talentes nicht länger vorenthalten.
Und — die Kunstgeschichtsstunde schwänzend — begab sie sich eines Tages mit ängstlichem Herzklopfen in die Redaktion des „Leuchtturms“, einer neu erscheinenden Zeitschrift, in der sich junge Lyriker verschiedener Schattierungen tummelten.
Der „Leuchtturm“ war kein phantastisch prunkender Bau, wie Monika ihn sich vorgestellt. Drei Zimmer im Parterre eines Berliner Hinterhauses bildeten den Leuchtturm. Der Kontorist, der im Vorraum zum Allerheiligsten auf einem Drehschemel saß und trübsinnig vor sich hinstarrte, wurde durch Monikas Eintritt angenehm gestört. Eine so junge Dame hatte er in diesen Räumen noch nicht gesehen.
„Ist der Herr Redakteur zu sprechen?“
„Doktor Waldmann kommt erst in einer Stunde.“
„Ach, so lange kann ich nicht warten: wollen Sie ihm, bitte, dieses geben...“
Monika legte hastig ein Kuvert auf den Tisch.
„Steht Ihr Name und Ihre Adresse auch drin?“ fragte der Kontorist.
„Nein — ich komme wieder.“
Monika rannte davon wie gejagt.