Er machte sich übrigens nicht viel Gedanken darüber, zumal er selbst keine leidenschaftliche Verliebtheit für seine Braut entfaltete.

Sie war eben eine „so passende Partie“, paßte, was Familie, Alter, Vermögen anbetraf, vortrefflich zu ihm; ihre äußere Erscheinung genügte den Ansprüchen, die er an seine zukünftige Gattin stellte. Die Reserviertheit, die sie zur Schau trug, störte ihn nicht. Marie war mit Gefühlsäußerungen immer so zurückhaltend gewesen, daß Frau von Holtz ganz entsetzt war, als sie sie eines Tages in heißen Tränen fand.

Sie war in ihrer Tochter Wohnzimmer gekommen, um ihr eine eben eingetroffene Auswahlsendung von weißen Seidenstoffen zu zeigen.

Da fand sie Marie mit dem Oberkörper auf der Tischplatte liegend, die Hände vor die Augen gepreßt. Ein krampfhaftes Weinen ließ die schmalen Schultern erzittern.

„Marie!“

Das tränenüberströmte Gesicht hob sich empor:

„Mama, laß mich Dir sagen, ich will Wilhelm nicht heiraten, ich will nicht.“

„Was? — Was ist denn? — Warum...“

„Ich liebe ihn nicht.“

„Liebstes Kind, das kommt in der Ehe. Vernunftheiraten werden immer die glücklichsten Ehen.“