„Ich würde mich anders benehmen, wenn ich verlobt wäre,“ sagte sie zu ihrer Mutter. „Der Marie merkt man gar nicht an, daß sie glücklich ist. Ich glaube, die paßt gar nicht für die Ehe!“

„Was, die Marie soll nicht für die Ehe passen?“ entrüstete sich Frau von Birken, „so ein reizendes Mädchen! Und die schönen Handarbeiten, die sie macht, und kocht tadellos; sogar Früchte einkochen kann sie ganz allein.“

Am tiefsten berührt von der ganzen Verlobung war unstreitig Bertha, die das Brautpaar bei Birkens kennen gelernt hatte: sie fand Monika gegen über nicht Worte genug, um Maries Glück zu rühmen.

„Denke doch, verlobt sein mit solch nettem Menschen, lauter schöne Sachen bekommen und sich küssen dürfen... und dann nachher die Trauung, so im weißen Schleppkleide, schleierumwogt vor Gottes Altar — ach, entzückend! Und dann nachher junge Frau! Es gibt doch wohl nichts Schöneres als jung verheiratet zu sein. Und süße Kinder haben... Und nun zu denken, daß mir das alles nicht blühen wird — nein, sprich nicht dagegen! Wer soll denn eine Frau heiraten, die studiert? Ich sage Dir: wenn ich die Person wüßte, die das Frauenstudium erfunden hat, die brauchte sich nicht zu gratulieren!“

Monika lachte. „Ach, die studierten Frauen können doch gerade so gut heiraten wie die anderen!“

Aber Bertha war nicht zu überzeugen.

Nach zehntägigem Aufenthalt reiste Frau von Holtz mit dem Brautpaar zurück.

Die Hochzeit sollte in wenigen Monaten stattfinden, und die angehende Schwiegermutter fühlte sich ganz in ihrem Element bei all den Vorbereitungen, die nun Platz griffen. Mine Petermann ver ließ Sarkow überhaupt nicht mehr; die schwarze Taille über dem mächtigen Busen dick mit Stecknadeln gespickt, brütete sie unermüdlich über den Modeblättern, probierte und verwarf, probierte von neuem und begeisterte sich — und begeisterte Frau von Holtz mit den glühenden Schilderungen der Meisterstücke von Toiletten, die sie im Begriff war, anzufertigen.

Zwischen Mutter und Tochter entbrannten dieselben Meinungsverschiedenheiten wie bei der Auswahl der Möbel; jede suchte ihren eigenen Geschmack durchzusetzen. Die Mutter siegte auf der ganzen Linie, aber die Folge davon war, daß Marie nun ohne Freude die Anproben über sich ergehen ließ.

Es war überhaupt nichts von strahlendem Glück an ihr zu merken. Zu ihren Freundinnen aus Neustadt und Hahndorf sagte sie zwar mit einer gewissen Wichtigkeit: „Mein Bräutigam...“, aber wenn dieser kam, so empfing ihn kein übermäßig freundliches Gesicht.