Einige Wochen nachher kam Frau von Holtz mit dem Brautpaare nach Berlin, um Einkäufe zu machen.

Der Bräutigam war ein gut aussehender Mensch, höflich und freundlich, Geist und Bildung gesunder Durchschnitt.

„Eine so passende Partie!“ Die zukünftige Schwiegermutter strahlte, war viel entzückter als Marie selbst. Sie erzählte ihrer Schwägerin: „Denke Dir, Marie wollte eigentlich noch gar nicht heiraten, kam auf ihr verrücktes Studierprojekt zurück, erklärte mir, vorläufig triebe sie nichts gebieterisch zu einer Heirat, und so wolle sie einstweilen warten, wolle ihre Freiheit nicht verlieren. — Na, ich habe ihr den neumodischen Unsinn schon ausgetrieben! — Es wäre doch auch zu unsinnig gewesen, Hammerhof auszuschlagen. Unsere Güter grenzen aneinander, Marie ist zwanzig Jahre alt, gerade das richtige Alter zum Heiraten! Wenn die Mädchen nicht früh heiraten, bekommen sie alle so sonderbare Ideen bei den überspannten Zeitströmungen, die jetzt herrschen.“

„Ja, aber wenn sie ihren Bräutigam nicht glühend liebt?“ sagte die Baronin Birken bedenklich.

„Mein Gott, Mali, Du wirst schon wieder romantisch. Was soll das vorstellen: ‚glühend liebt‘? Ich habe meinen Mann, als wir verlobt waren, auch nicht glühend geliebt, und wir führen die harmonischste Ehe, die man sich vorstellen kann. Ich finde: ein Mädchen aus unseren Kreisen hat überhaupt nicht glühend zu lieben! Wirst Du Dir denn Deine Romantik nie abgewöhnen, Mali?“

„Ich hoffe, nein!“ sagte die Baronin stolz. „Ich bin froh, daß ich meine jugendliche Begeisterung habe, und ein echtes Gemüt bleibt ewig jung!“ —

Was Begeisterung anbetraf, so entfaltete Frau von Birken ein vollgemessenes Quantum in den nächsten Tagen; sie fand alles begeisternd: die Theatervorstellungen, die Einkäufe und Bestellungen, alles...

Die Einkäufe waren übrigens ein Zankapfel zwischen Marie und ihrer Mutter. Frau von Holtz versuchte — autoritativ wie immer — ihren ganz persönlichen Geschmack zur Geltung zu bringen, und Marie fand mitunter ein scharfes Wort: „Schließlich, ich soll doch die Sachen haben und nicht Du, Mama. Da ist doch mein Geschmack eigentlich wichtiger.“

Frau von Holtz klagte dann über die schreckliche, neue Zeit, in der die Töchter gar nicht mehr den richtigen Respekt entfalteten und sich anmaßten, eigene Meinungen zu haben. Hatte sie selbst einst ihrer Mutter Vorschriften zu machen gewagt, als diese ihr die Aussteuer gekauft? Mit ehrfurchtsvollem Danke hatte sie alles entgegengenommen — und dabei sei der gelbe Salon mehr als unpraktisch ausgesucht gewesen!

Auch Monika fand Maries Benehmen als Braut zu tadeln.