Monika war zu atemlos, um zu antworten; sie blickte stumm den Fragenden an.

Er war ein Kavalier in der Mitte der dreißiger Jahre, ein vollendeter Typus des norddeutschen Aristokraten. Er war groß, auf breiten Schultern saß ein stolz getragener Hals, ein schmaler Kopf. Er hatte die hochsattelige Nase der vornehmen Rassen, kühle graue Augen, einen bürstenförmig kurzgeschnittenen Schnurrbart über dem harten Mund. Er betrachtete mit Interesse das glühende, schöne Mädchen. „Vor wem sind Sie denn auf der Flucht? Vor welchem Argus?“

„Argus stimmt auffallend,“ lachte Monika.

„Hier finden Sie ein tadelloses Versteck.“ Er öffnete die Tür einer der Logen, die leer war.

Monika ließ sich auf einen der Stühle nieder.

„Erst mal atmen!“ sagte sie.

Ihr schlug das Herz zum Zerspringen, von dem schnellen Laufen sowohl als auch wegen der ungewohnten Situation: allein mit diesem schönen Un bekannten, auf drei Seiten von schirmenden Logenwänden umschlossen und vor sich den Blick auf des Ballsaals tobendes Gewühl da unten.

Ihre anfängliche Befangenheit schwand schnell bei der überlegen sicheren Art, mit der ihr Begleiter das Gespräch führte. Bald vergaß in angeregtester Konversation Monika ihre Verkäuferinnenpflichten.

Mit hellem Lachen nahm sie die scharfen Urteile auf, die ihr Begleiter über die Leute da unten im Ballsaal fällte.

Er kannte eine Menge Menschen; er nannte die Herren, die sich beflissen um die Sektbude der Frau Geheimen Kommerzienrat von Dresdener drängten und nannte ihr auch die Summen, mit denen diese Herren den adelsfreundlichen Kommerzienrat angepumpt.