Herr von Wetterhelm kam langsam daher, begrüßte sie gemessen. Es lag nicht in seiner Art, Empfindungen zu zeigen, und seine Beherrschtheit wirkte abkühlend auf Monika, deren ganzes Wesen aufgeflammt war, als sie den Ersehnten erblickt.

„Nun, wohl nicht sehr lange mehr bis zum Doktorexamen?“ neckte er lächelnd.

„Woher wissen Sie überhaupt, daß ich studieren will?“

„Von meiner Cousine Wetterhelm.“

„Haben Sie die denn nun endlich mit dem Besuch beglückt, um den sie bat?“

„Ja, ich mußte schon.“

„Sie scheinen alte Damen nicht zu lieben?“

„Das können Sie nicht verlangen! Alte Damen müssen schon sehr geistreich oder sehr liebenswürdig sein, um sich ihr Alter verzeihen zu lassen.“

„O je, sind Sie scharf!“

„Desto besser! Wir Deutschen sind überhaupt viel zu wenig scharf. Der Michel hat nun mal eine Anlage zur Träumerei, zum Philosophieren.“