Die Folge dieses Wohltätigkeitsabends war für Monika erstens mal, daß sie ein Gedicht verfaßte, in welchem sehr viel von kalten Augen und heißen Lippen die Rede war.
Sie brachte das Gedicht selbst in die Redaktion des Leuchtturms und Doktor Waldmanns Kritik war verblüffend:
„Sie haben bisher mit Tinte geschrieben, gnädiges Fräulein, aber dieses Gedicht ist mit Herzblut geschrieben!“ — ein Urteil, das Monika zwar schmeichelte, sie aber doch zu einem lauten Gelächter veranlaßte.
Uebrigens wurden von jetzt ab ihre Besuche auf dem Leuchtturm seltener; unwillkürlich verglich sie immer wieder das ungezwungene und ungezügelte Wesen der dortigen Kunstjünger mit dem strafferen Wesen des Herrn von Wetterhelm. Der leuchtete von jetzt ab in ihren Gedanken als Stern. Aber dem „Die Sterne, die begehrt man nicht“ hatte sie nie gehuldigt. Im Gegenteil! — sie begehrte gerade die Sterne, — waren nicht jene fernen Himmelsblumen tausendmal lockender als die Blumen am Wegrand? — Wenn sie nur gewußt hätte, wie sie ihren Stern wiedersehen könne!
Bei den zwei Bällen, die Monika bald nach dem Basar mitmachte, behandelte sie ihre Tänzer schlecht. Sogar zu den Leutnants, denen sie sonst einen entschiedenen Vorzug vor dem Zivil einräumte, war sie ungnädig, — alles zu höheren Ehren ihres Sterns!
Wie unendlich freudig überrascht war sie, als sie ein paar Tage darauf diesen unerreichbaren Stern in höchsteigener Person ihr entgegenkommen sah, als sie aus dem Kursus kam.
Sie ging mit ihrer Cousine Bertha, die, als Herr von Wetterhelm grüßend vorbeigeschritten, aufs höchste interessiert fragte: „Was ist denn das für ein schneidiger Mensch?“
„Was Du immer für Ausdrücke hast,“ sagte Monika unwirsch. Sie war ärgerlich, daß sie mit Bertha zusammen ging. Vielleicht hätte ihr Stern mit ihr gesprochen, wenn sie allein gewesen wäre.
Und diese Hoffnung veranlaßte sie, sich in den nächsten Tagen beim Nachhausewege streng zu isolieren. Nach dem Schlusse des Unterrichts trödelte sie herum, brauchte unglaubliche Zeit, um ihre Mappe zu packen, und legte es darauf an, als letzte das Schulgebäude zu verlassen.
Vier, fünf Tage ging das so. Eine nervöse Erwartung spannte während der ganzen Zeit ihre Nerven an, machte sie unzufrieden und melancholisch wie nie zuvor. Aber dann kam doch ein Tag, an dem ihr wieder ihr Glück lächelte und ihr Stern.