Der Empfang zu Hause war noch schlimmer, als Monika ihn sich gedacht. Die Baronin rang die Hände. Hatte sie das um Monika verdient? Daß Monika sich von einem Herrn begleiten ließ, von einem ihr gänzlich unbekannten Herrn, von dem Heinzemännchen überhaupt nicht wußte, wer er sei!

„Es war mein Mathematiklehrer, Professor Herrmann war’s,“ sagte Monika kalt.

Aber wie ein Racheengel richtete sich Heinzemännchen in seiner ganzen, schlaksigen Höhe auf. „Das war kein Mathematiklehrer — das war ein Gentleman!“ sprach er mit Donnerstimme. „Und soll ich Dir sagen, was das Ganze war? Das war ein Rendezvous!“

Er ließ sich schwer auf einen Stuhl fallen.

„Monika,“ sagte er, und seine Stimme kickste über, „hast Du denn gar nicht an mich gedacht?“

„O nein,“ sagte Monika höflich.

„Hast Du nicht daran gedacht, daß seit Papas Tode die ganze Verantwortung auf meinen Schultern ruht? Daß Du mir das antun kannst, Monika...“

„O, mein Geliebtes,“ rief Frau von Birken, indes sie ihren Sohn an sich zog, „rege Dich nicht auf, mein Geliebtes! Es kann Dir schaden!... Aber recht hast Du, das kann ich nicht anders sagen!... Monika, es ist unerhört von Dir! Dies Betragen geht über alle Grenzen hinaus... Du bist ein verlorenes Geschöpf, Monika!... Von einem Herrn läßt Du Dich begleiten auf dem Nachhausewege, statt von Deiner Cousine Bertha!... Die würde ihrer Mutter so etwas nicht antun!... Warum habe ich von allen Müttern gerade das Unglück? Aufgeopfert habe ich mich für Euch, mein ganzes Leben hindurch, und das ist nun der Dank!... Monika, wie kannst Du Dich so benehmen? Wo hast Du je ein solches Beispiel vor Augen gehabt? Habe ich je so etwas getan?“

Monika zuckte mit den Achseln.

„Was? Du zuckst mit den Schultern? Willst Du damit sagen, daß ich je so etwas getan hätte?... Monika, nie hättest Du mir das antun können, wenn Du auch nur einen Funken von meinem Gemüt geerbt hättest...“