Betrübt kauerte sie sich in einen der blauen Sessel und begann an einem Stückchen Johannisbrot zu kauen, das sie zu ihrer Ueberraschung in ihrer Tasche entdeckt hatte.
Gewiß hatte ihr Karl damit eine Ueberraschung bereiten wollen, Karl, ihr zehnjähriger Lieblingsbruder.
Aber der Genuß war bald zu Ende, das Johannisbrot aufgeknabbert, und nun saß sie da und langweilte sich jämmerlich. Die Uhr zeigte auf drei — noch eine ganze Stunde Zeit bis zum Nachmittagskaffee.
In plötzlichem Entschluß stülpte sie die Pelzmütze auf, zog den Mantel an und fort ging’s durch den verschneiten Park auf wohlbekannten Wegen ins Dorf.
Ihr Weg führte zur kleinsten Hütte, einer Bauernkate, die gar elend, förmlich zusammengekauert unter der dichten Schneedecke dastand.
Der Zaun war baufällig, die Fensterscheiben wie erblindet. Im Hof an der Pumpe, von der riesige Eiszapfen herabhingen, stand ein etwa dreijähriger, hübscher Junge und bemühte sich, den Pumpenschwengel in Gang zu setzen.
„Ist die Liese zu Haus?“ rief Monika ihn an.
Er sperrte verdutzt die blauen Augen und den roten Mund auf, ohne zu antworten. Da öffnete Monika ohne weiteres die Tür.
Eine stickige, dumpf-heiße Luft schlug ihr entgegen. Kaum hatte sie die Schwelle überschritten, als es drinnen aufschrie: „Monchen!“
Eine Frau stürzte auf sie zu und bedeckte ihre Hände mit Küssen. „Ach Gottchen, Monchen, bist Du’s denn wirklich, mein trautstes Monchen?“