Unten auf der Straße, die sich hart am Meere dahinzog wie ein endloses weißes Band, glitten auf Gummirädern ein paar Automobile vorüber. Ein paar Sekunden lang zerriß der gellende Schrei der Hupe den Abendfrieden — dann waren sie vorüber.

Von dem alten Glockenturm herunter klang das Ave.

Und der brennende Horizont wurde blasser, wurde farblos wie eine Blume, die verblüht.

Langsam sank die Nacht über die Erde.

Der Mond, der während des Sonnenunterganges blaß am Himmel gestanden, leuchtete plötzlich auf. In dieser Beleuchtung war der Garten ein anderer, als er am Tage gewesen. Die Stämme der Palmen mit ihren dunkeln Schuppen sahen aus wie die höckrigen Panzer bösartiger Reptile. In den blanken Blättern des Tulpenbaums spiegelte sich das Mondlicht am gleißendsten. Jedes dieser dunkeln Blätter war wie ein Spiegel aus Metall. Und die Stauden der weißen Levkoien, die so hoch und breit waren, daß sie wie Büsche erschienen, trugen ihre Last von ungezählten Blüten wie Millionen Silbersternchen. Die Heliotropbüsche blieben dunkel; ihre Blüten, die am Tage von einem süßlichen Violett waren, nahmen nichts von Licht in sich auf. Sie schienen nun schwarz, fast farblos, aber sie dufteten nur um so stärker und sandten ganze Wogen von Wohlgeruch in die Luft.

Und Mondlicht über dem allen, verschwenderische Wellen von Mondlicht über der See, über dem Garten, — in allen Räumen des Hauses. Das Schlafzimmer mit seinen weißen Möbeln gleißte wie Silber.

Und Monika war es, als ob die schweigende Welt ringsum einen Hymnus anstimmte, einen Jubelhymnus auf ihr Glück. Diese überirdischen Tonwellen drangen auf sie ein, durchschauerten sie mit einer schmerzhaften Intensität. Fester preßte sie sich in Georgs Arme. Ein Schluchzen hob ihre Brust.

„Was ist Dir?“ fragte er erstaunt.

„Zu glücklich bin ich!“

„Das ist doch keine Ursache zum Weinen.“