„Doch! Denn ich sage mir: schöner kann es doch nun aber ganz sicher nicht mehr werden! Noch höher hinauf geht es nicht. Kommt nun ein Abstieg? — — Ich muß an ein paar Verse denken:

‚Sag’ nicht, daß Du mich liebst.

Ich weiß, das Schönste auf Erden,

Die Liebe und der Frühling,

Es muß zuschanden werden — —‘“

Sie sah in diesem Augenblick den Abgrund, der alles verschlang, sah der Vergänglichkeit weitgeöffneten Höllenschlund, — und mit einer schutz suchenden und verzweifelten Gebärde klammerte sie die Arme fester um Georgs Hals.

„Mone, Du bist überreizt. Sicher heut zu lange in der Sonne gewesen. Du bist doch sonst nicht so sentimental.“

Da sanken ihre Arme herab: also er verstand gar nicht? „Sentimental“ nannte er ihr trotziges Aufbäumen gegen den Verfall. „Sentimental“ diese schauernde Angst der blutroten Lebenswärme gegen die grausame Zeit, die unablässig, unaufhaltsam fortschritt, sie vorwärtsführte in das graue Alter und in den eisigen Tod...

Sie hatte geglaubt, daß die große Liebe, die über ihnen beiden war, all ihre Nerven aufeinander abgestimmt hätte, wie wohl, wenn man einen Ton auf dem Klavier anschlägt, die Tonwelle sich durch die Luft weiterpflanzt und das Kristall eines Glases in Schwingungen versetzt, daß es mitklingt in reinster Harmonie.

Und so war es nicht?! Den Erschütterungen ihres Innern setzte er ein banales Nichtverstehen gegenüber?