„Aber Du kannst doch nicht als Rentier leben, dazu haben wir ja gar nicht die Mittel. Ein Mann muß doch etwas tun, einen Beruf haben, — Pflichten erfüllen! Sag’ doch selbst, wozu Du Lust hast! Wozu Du Talent hast, — — irgend etwas!“

„Zu gar nichts,“ sagte Karl gottergeben.

Dann hatte er eine plötzliche Eingebung. „Ich möchte gern aus dem Gymnasium raus, Mama.“

Frau von Birken rang die Hände. „Karl, das wagst Du mir zu sagen?! Das wagst Du?! — — Jetzt willst Du weg, noch vor dem Einjährigen? Karl, weißt Du denn nicht, welcher Familie Du angehörst? Dein Großvater war Universitätsprofessor! Und Deine Schwester ist bis Ober-Sekunda gekommen, obwohl sie nur ein Mädchen ist. Und wenn nicht diese Heirat dazwischengekommmen wäre, so wäre sie heute Fräulein Doktor. Jawohl! — — Und Alfred hat doch wenigstens das Abiturium gemacht, ehe er Offizier wurde. — — Und Heinze männchen! — — Den Aufsatz, den er zum Abiturium gemacht hat, habe ich einbinden lassen... in grünes Leder... zur Erinnerung für Kinder und Kindeskinder ... so ist der Aufsatz! — — Karl, wenn Du so ungebildet bleiben willst, das überlebe ich nicht!“

„Na, wollen mal sehn, wollen mal sehn,“ sagte Karl begütigend. Aber sehr hoffnungsvoll klang es nicht.

Immerhin schöpfte die optimistische Frau von Birken auf diese so maßvolle Aeußerung hin neuen Mut.

Karl war ja ein guter Junge und würde sich nun wohl wirklich endlich bessern.

Es war deshalb ein schwerer Sturz aus ihren neuerweckten Hoffnungen, als schon acht Tage nach diesem Gespräch Karl vor sie hintrat mit dem dringenden Ersuchen, ihm zweitausend Mark zu geben.

Sie war außer sich. Was dachte er sich denn eigentlich? Wozu brauchte denn ein Schüler überhaupt so viel Geld? —

Die Erklärungen, die er gab, waren so phantastisch, daß die Mutter trotz all ihrer Leichtgläubigkeit auch nicht ein Wort davon für wahr hielt.