„Eine juristische Verpflichtung zur Unterstützung eines Schwagers besteht nicht, eine moralische unter Umständen, die hier nicht vorhanden sind. Wenn Dein Bruder durch Krankheit unterstützungsbedürftig wäre oder eine Summe brauchte, um sich eine Existenz zu gründen, so würde ich Dir zuliebe eventuell sogar ein größeres Opfer bringen! Aber für einen derartig leichtsinnigen Bengel, der gar nicht ahnt, gar nicht faßt, was Pflicht heißt!“
„Ja, die sogenannte Pflicht ist uns wohl nie genug eingetrichtert worden,“ sagte Monika nachdenklich.
„Die strenge Hand hat Euch gefehlt. Dein Vater starb zu früh.“
„Und vorher hat er sich auch nicht um unsere Erziehung bekümmert, und der Mama sind wir zu schnell über den Kopf gewachsen, alle vier.“
„Ja, da Du davon sprichst, Monika — Du weißt, ich rede nie ungefragt über Deine Angehörigen, aber da das Thema nun einmal aufgerollt ist: Deine Brüder machen mir überhaupt Sorge. Ich hörte da neulich durch meinen Vetter Alexander, der Bataillonskommandeur von Alfred ist, — er gibt ihm keine zwei Jahre mehr im bunten Rock.“
„O — —“
„Ja, daß er Schulden hat, wäre schließlich nicht so schlimm, aber da ist eine Soldatenmißhandlungsgeschichte, bei der er eben noch mit einem blauen Auge davongekommen ist. Alfred gilt als der brutalste, händelsüchtigste Offizier im Regiment.“
„Er war schon als Kind so wenig gutmütig.“
„Und Heinrich scheint sich auch nicht gerade in bester Gesellschaft zu bewegen. Im Amt erzählte mir neulich jemand, daß ein Baron Birken als ‚Amateur-Dichter‘ Verse im Kabarett „zum Regenbogen“ vorgetragen, und fragte mich, ob der Jüngling zu Deinen Verwandten gehöre. — Und Karl, von dem ich eigentlich hoffte, er würde ein Normalmensch und seinerzeit ein brauchbarer Offizier werden, läßt sich ja jetzt auch recht niedlich an.“
„Eine nette Familie sind wir! Und dabei hast Du in Deiner bekannten Höflichkeit mich und meine gefährlichen Anlagen noch gar nicht mal erwähnt,“ lachte Monika.